Winter einmal anders

Tatsächlich wirkt er : „the clue of Alvor“, der Klebstoff, der schon manche Segler hier für längere Zeit als ursprünglich geplant festgehalten hat. Er setzt sich zusammen aus idyllischer Ruhe in Ankerbucht und Bojenfeld, gut ausgebauten Spazierwegen am Flussufer oder zum Strand, dem milden Klima, das die Wintermonate an Bord erträglich machte und der entstandenen Bezogenheit der Ankerlieger untereinander ( die das Beste aus den Ausgangsbeschränkungen machten).

Die Monate November bis März sind erstaunlich schnell verflogen, sie waren gefüllt mit dem Erforschen der Umgebung, der Organisation des Alltags, dem gegenseitigen Unterstützen beim Reparieren und Einkaufen der Materialien, regelmässigen Spaziergängen und gegenseitigen Einladungen mit der deutschen Community, sowie ein paar netten Seglern verschiedener Nationalität.

Ich denke gerne an Kurt, Rheinhard, Luisa und Matthias, David, Jan, Tommy, Britt-Luise und Ralf, sowie Ann-Britt, die bereits nach Schweden zurückgekehrt ist, Stefanie und Brian – die Nationalitäten neben uns Norddeutschen sind England, Schweden und USA.

Der Lock-Down, bzw. Ausnahmezustand gab uns die Chance sich nicht nur oberflächlich kennenzulernen, sondern in persönlichen Gesprächen Erlebnisse, Gedanken und Einsichten auszutauschen.

Da dies immer respektvoll, freundlich und offen geschah, bin ich dankbar und werde Alvor mit diesen wertvollen Begegnungen verbinden.

Der Kontrast zwischen der Seemeilen fressenden Anreise, dem Wechsel und dem Bleiben vor Ort war enorm und kam erst nach und nach innerlich an.

In der Adventszeit, mit dem Bedürfnis nach Entschleunigung, Plätzchenduft und Innehalten nach diesem ereignisreichen Jahr sorgte die Ruhe der Bucht, der ausgebremste Tourismus und die stillen Nächte definitiv für’s Ankommen.

Es war schmerzlich, keinen Besuch nach Deutschland wagen zu können, auch, dass niemand „vorbei fliegen“ konnte, wollte verarbeitet werden. Es war das erste Weihnachten ohne unseren Sohn Leon. Und doch, Internet sei Dank gab es mit unseren Lieben Austausch und Verbindung. Und in vielen Momenten am menschenleeren Strand knüpfte ich Gedankenverbindungen.

Überall stand auf Hinweisschildern: Fiquem a casa – stay at home . Die Zuwege zum Strand durch Bänder abgesperrt, die sonst belebten Gassen menschenleer.

Aber wie könnte Corona-Prophylaxe besser geschehen als durch Spaziergänge in salzhaltiger Luft und Meerwasserbad? Ann-Britt sei Dank, die mich dazu motivierte und die vorhandenen 16 Grad Wassertemperatur gemessen an schwedischen Bade – Gewohnheiten belächelte.

Meine Zeitstruktur beinhaltete auch kleine Basteleien, die gesammelten schimmernden Perlmuttmuschelstücke wurden zu Ketten verarbeitet, viele Sprüche, die ich bemerkenswert und erbaulich finde fanden in Schrift oder mit Malerei versehen in Venusmuscheln neue Heimat.

Ich habe spannende Online- Summits erforscht und hatte, durch unseren stabilen Internetzugang auch die Chance online Yoga bei Susanne aus Itzehoe mitzumachen. Hans pflegte seine Verbindung zum Computerclub Itzehoe online.

Ein marokkanisches Kochbuch lieferte genügend leckere Rezepte zum Ausprobieren und die portugiesische Liebe zum süßen Backwerk hat mich mit Karotten-Schokoladenkuchen und Quitten-Apfelkuchen herausgefordert.

Der Sonntag-Nachmittags-Kaffeetisch zu dem wir seit dem ersten Advent einladen, hat schon Tradition und oben genannte Kuchen, sowie Müsli-Plätzchen und herzhafte Gemüserollen stellten die lukullische Grundlage für einen näher bringenden Austausch.

Im Kontakt zu der portugiesischen Bevölkerung ist mir folgendes aufgefallen:

Sie pflegen eine deutlich entspanntere Lebensart als wir, vor allem an der Kasse von Geschäften geht man gelassen und deutlich bezogener auf die Kundenwünsche ein.

Das Wort : Danke ( die Frau sagt obrigada, der Mann obrigado) wird um so vieles mehr benutzt, und schafft eine freundliche, wohlwollende Atmosphäre.

Und auch der Gruß : Guten Tag ( je nach Tageszeit: Bom dia , Boa tarde, Boa noite) wird immer bei Blickkontakt untereinander ausgesprochen.

Seit Anfang November habe ich mit Duolingo kostenlos Portugiesisch gelernt, was mich nur anteilig weiterbringt, da viele Laute beim Aussprechen verschluckt werden. Aber ich verstehe jetzt besser das geschriebene Wort. Jeder Verständigungsversuch auf portugiesisch wurde honoriert oder freundlich korrigiert.

Spruch zum Schluss:

It’s in the shelter of one another, that we find shelter.
Aus einem Onlineseminar.