In der Bucht von Alvor angekommen

Hallo liebe LeserInnen, wir sind seit 31.10.20 in unserer ersten Überwinterungsbucht Alvor/ Algarve angekommen.
Zum Ankerplatz führt eine flache Lagune, die bei Ebbe deutlich schrumpft und den Fischern und Alvorern die Möglichkeit der Muschelanzucht und der Muschelernte gibt. Der angrenzende Fluss führt zu seichten Plätzen mit Inseln auf denen Flamingos leben.

An klaren Tagen schweben in ca. 2 Kilometer Entfernung Fallschirmspringer sacht zur Erde. In der Bucht liegen vor allem englische, französische , holländische und deutsche Yachten und Katamarane. Die portugiesischen Fischer, die jede Nacht ausschwärmen und morgens zurückkehren können sich beim Ankern in deren Fahrwasser lauthals beschweren, oder sie fahren so nah an den Booten vorbei, dass man freiwillig einen entfernteren Platz sucht – gegenseitiger Respekt ist wichtig 😉
In unmittelbarer Nähe zum Städtchen, das zwischen Lagos und Portimao liegt, gibt es Holzwege zum Strand, der ca 4 Kilometer lang und ca. 500 Meter breit ist. Er wird jeden Tag gesäubert und ist im Monat November nur spärlich besucht, ein paar Sonnenanbeter, Badende und Spaziergänger gibt es aber immer.

Obwohl das Meer so nah ist, schützt die Düne uns vor Schwell und bislang gab es selten Wind.

So liegen wir hier geschützt, eingebettet in eine schöne Landschaft mit gelegentlichem Chesna- Überflug und vorbeiziehenden Booten und Stand-up-Paddlern.

Da auch in Portimao Covid 19 bedingt ein Teil-Shutdown ausgerufen wurde, bleiben wir, bis Mitte Januar hier, so viel Ruhe und Normalität wird es eventuell nicht überall geben.
In Alvor, mag sein an der Algarve insgesamt, scheinen verschiedene Altersgruppen zu überwintern: junge Paare mit noch nicht schulreifen Kindern – Studenten – Menschen ab ca. Mitte 50, die den festen Job aufgegeben haben um eine Weile durch die Welt zu reisen – und Rentner, die entweder in einer Ferienwohnung, oder auf ihrem Segelboot ihren Lebensabend verbringen wollen.
Viele Segler sind Individualisten, spannende Charaktere, viele Menschen mit hohem technischen Verständnis für ihr Boot und alle seine Erfordernisse, und den meisten ist eine freundlich – aufgeschlossene Lebensart gemeinsam, nach dem Motto: „Leben und leben lassen“.
Wie verbringen wir nun unsere Zeit hier?
Zuerst wanderten wir viel, zum Meer, zu den Flamingos, machten eine Fahrradtour den Fluss entlang. Wir erkundeten Portimao um eine Internetflat zu organisieren, und Alvor um unsere Lebensmittel einzukaufen.
Dann gab es ein paar Tage, an denen ich haderte, ob ich vom Reisemodus in den Bleibemodus wechseln könne, oder Unzufriedenheit nähren wollte.
Und dann geschah ein seltsames Ereignis, das jeden in unserer Nähe irritierte: ein grosser Katamaran an einer Mooringtonne hatte sich in der Nacht verselbstständigt und lag morgens bei Ebbe am Strand, jeder dachte, dass er verlegt worden sei. Als wir realisierten, dass das große Schiff sich ohne andere zu touchieren einen neuen Parkplatz gesucht hatte, waren die deutschen Segler recht schnell verlinkt, der Eigner wurde angerufen, die hiesigen Segler vertäuten das Boot erst einmal sicher vor der nächsten Flut. Als der Eigner aus Deutschland eintraf, lud er alle Helfer zum Umtrunk ein und man koordinierte die vereinte Abschleppaktion und einen neuen Ankerplatz. Und so lernten wir: Matthias und Luisa, Kurt, Rheinhard, Tom und David kennen, manche sind hier schon lange, andere wie wir auf der langsamen Durchreise.
Darüber habe ich erneut gemerkt, wie wichtig mir auch nähere Kontakte sind, eine Einladung zum Tee, zum Helfen, ein Gespräch an der Pier, oder ein netter gemeinsamer Abend sind und bleiben Gold wert.
Seit wir die stabile Internetleitung haben, ist es auch leichter unsere Hobbies auszuführen. Hans nimmt wieder am Computerclub-Onlinetreffen teil, ich habe wieder einen „Yoga-Morgen“, via „ZOOM“ aus Itzehoe.
Da wir deutlich weniger Elektrogeräte an Bord haben benötigt auch Kochen, Backen, Spülen, die Wäsche entsprechend Zeit ( der Einbau der Waschmaschine war eine super! Idee). Unseren Lebensmitteleinkauf erledigen wir meist zu zweit, in 15 Minuten Entfernung liegt ein großes Geschäft.
Und: über die kostenlose duolingo App lerne ich gerade Portugiesisch, allerdings ist die Ausgangssprache Englisch, no problem.
Schwierig finde ich die Verschriftlichung der gehörten Sätze, werden doch viele Laute „verschluckt“ oder anders ausgesprochen als geschrieben.
Aber es macht Spaß und ich habe noch etliche Wochen Lernzeit hier, also keinen Stress.

 

Gedanken zum Schluss:
Die Sehnsucht nach Bedeutung und innerer Ruhe ist das,
was wir in diesem Leben miteinander teilen.
(Kalenderspruch ohne Quellenangabe)