Die Balearen bestätigen meine Vorurteile nicht

Ich hatte Ibiza zum Hippieparadies verklärt, Mallorca auf „Ballermannstrand“ und Massentourismus reduziert und uber Formentera und Menorca „Kleinode, zum Wandern geeignet“ gelesen.
Vor allem vermutete ich, dass das Erkunden auf dem Wasserweg und als Ankerareal mehr Dimensionen eröffnen würde – denn einen Hafenplatz als Katamaran ohne vorzeitige Anmeldung zu erhalten stellte sich gleich als schwierig heraus.
Vor allem an Mallorcas Ostküste und auf Menorca gab es viele schützende Buchten, wenn wir rechtzeitig – am frühen Nachmittag da waren. Nur zweimal wurden wir von Starkwind und Gewitterböen überrascht, beide Male waren seglerisches Geschick und aufmerksames Beobachten , auch der anderen Ankerlieger wichtig.
Zum Ankern gehören die stetig veränderten Wellengeräusche, das veränderliche Treiben der kleinen Motorboote , die als Tageslieger kommen , all die sportlichen Aktivitäten im Ankerfeld und das bunte Gemisch von großen und kleinen Yachten , manche Besatzung in Dauerfeierlaune, Karaoke singend , in verschiedensten Sprachen.
Dies war zunächst gewöhnungsbedürftig, nach und nach bildete es eine freundliche Hintergrund-Kulisse.
Ich empfinde die Spanier als recht tolerant und entspannt, oft wurden Flamenco Rhythmen geklatscht und lauthals Schlager mitgesungen oder Lieder gemeinsam intoniert – das war mir sehr sympathisch.
Allerdings gab es auch immer wieder schnelle Jetskies oder Motoryachten, die mittels Lautsprecher ihren Musikgeschmack auf die halbe Bucht übertrugen – hierfür gibt es von mir die Goldene Zitrone !
Ich habe im Blog schon einmal über die Fülle von Wasseraktivitäten gesprochen, im Moment sind Elektro- oder Motor Scatebretter mit Foil groß im Kommen, die Helm bewehrten Männer versuchen hohe Geschwindigkeiten auf dem Wasser aus zu balancieren.


In der zweiten und dritten Augustwoche besuchten uns Christina und Thomas, sie landeten in Palma de Mallorca und bei fast ausschließlich sonnigem Wetter genossen wir etliche Calas beim Ankern, schwimmen und SUPen, und erkundeten in verschiedenen Besuchen die sehenswerte Hauptstadt Palma. Vor allem die alteingesessenen Cafees und Bäckereien haben uns begeistert .

Die Gespräche beim langen Frühstück, das gemeinsame Kochen und die abendlichen Reflektionen waren Balsam.
Dieser „Badeurlaub“ war für uns alle erholsam, manchmal gibt Besuch ja auch die Erlaubnis auszuspannen und verstärkt zu genießen. An dieser Stelle einen herzlichen Gruss an Euch – schön war’s !

Formentera :

Direkt zu Beginn an der Nordseite Formenteras liegt eine gut frequentierte Ankerbucht, in der flachen Lagune lässt sich ausgiebig schwimmen, schnorcheln und auf hellem Sand erscheint das Meer türkis, das seichte Wasser ist warm und bringt mir Hochglanzaufnahmen ins Gedächtnis. Dieses direkt zu genieẞen ist fantastisch. Das Poseidongras hat sich durch die Wellenbewegungen mit seinen fedrigen Blüten zu Bällchen bis zu 5cm Größe filzen lassen, in oval und rund sammele ich sie auf.
In der Fähr -Verbindung Formentera – Ibiza und Mallorca wird die Insel zum Baden und Wandern von den Balearia angesteuert.

Ibiza

Auch hier sind die schönen Ankerbuchten bemerkenswert. Hier erlebten wir zum ersten Mal, dass “ die Gemeinde “ sich zum Sonnenuntergang versammelte um den Sonnenuntergang abzuwarten, und als die Sonne im Meer versank folgte ein gemeinsames Raunen und Klatschen, als hätte der Pilot eine gelungene Landung gemeistert. Wunderlich.
Mir fiel der naturorientierte Dekorationsstil auf, Seegras geflochtene Lampenschirme, Teppiche, Naturtöne und weiße Kleidung / Kleider mit viel Stickerei . Hippies oder Neo- Hippies habe ich weniger gesehen, wir haben keinen der angesagten abendlichen Kunsthandwerkermärkte besuchen können.
Da die Balearen das langsam wachsende und als die Kinderstube vieler Fischarten geltende Poseidongras schützen wollen, darf man an vielen Stellen nur noch auf Sand oder Kies ankern. Vor allem an Wochenenden fahren Umweltaktivisten mit ihren Schlauchbooten zu den Ankerbuchten und kontrollieren diese. Mittels eines Vergrösserungs – Trichters zum Lokalisieren von Kette und Anker, werden Segler informiert und belehrt gegebenenfalls den Anker aufzunehmen, oder die Bucht zu verlassen, bei unstetem Wind und enger Liegeposition kann das durchaus ein anstrengender Prozess sein.
So wies uns eine Aktivistin einen anderen Ankerplatz zu, den sie nach Windshift gleich wieder verbot, allerdings hatten wir eine Felsspalte erwischt und ordentlich Mühe den Anker zu lichten.


Nach dem Abreisen unserer Freunde sind wir die felsig hohe Südseite abgefahren, Mallorca zeigt sich dort dürftig besiedelt, teils bewaldet .Eine schroffe Felsenlandschaft mit tief eingeschnittenen Calas, die mehr an Norwegen erinnern als an eine Mittelmeerinsel. Wir stoppten im Puerto de Soller, fuhren mit der historischen Schmalspurbahn nach Soller, die Ruckelfahrt ist emfehlenswert.


Menorca :

Menorca ist zwar kleiner und deutlich flacher als Mallorca , aber ,“ klein und fein“ trifft zu. Da häufige Wind- und Wetterwechsel das Planen der abendlichen Ankerbucht forderten , hatten wir doch nie Not eine solche zu finden, an der Südseite der Insel genauso, wie an Nord – und Ostseite. Bei Mahon lagen wir sowohl in der tiefen Cala Teulera, als auch vor dem Hafen von Mahon. Auch diese Stadt ist einen Besuch wert, wir warteten parallel ein geeignetes Wetterfenster ab um nach Sardinien zu segeln.

Danke Balearen : für traumhaftes Wetter und trotz Schwüle kaum Gewitter
für sauberes, glasklares Salzwasser
für beeindruckende Felsenkulissen und Ursprünglichkeit
für deutlich geringere Kosten als vermutetet durch die Ankeroptionen
und Danke an ein Hotel in Santa Ponca für ein kostenloses Konzert von Freddy Mercury Hits, das zu unserem Ankerplatz getragen wurde.

Nachtfahrt vom 04.-05.September 21

Morgens, zu Sonnenaufgang, streicht die Wärme wie eine träge Katze um die Beine
die Aussicht auf die lange Fahrt stimmt mich beschwingt, neugierig, angespannt -
Viel Meer zwischen Menorca und Sardinien.
Der Tag ist sonnig , die Zeit vergeht unaufgeregt, bis plötzlich Hans ruft : Schau eine Schildkröte !
Nur mit spärlichen Bewegungen gondelt sie im Wasser - ein kleiner brauner Diskus
sie taucht flink ab, drei Bilder hat sie mir erlaubt.
Der Abend kommt - die Sonne duckt sich und hinterlässt einen orangerot bemalten Wolkenberg.
Der Moment, wenn die Schwärze der Nacht dominiert, das Rauschen der Wellen deutlicher hervortritt und der Mond noch lange zögert ist fremd - unheimlich.
Vertrauen steht an der Schwelle und will eingelassen werden.
Das Sternenzelt spannt sich auf - war doch immer da - mir wird klar wie gegrenzt mein Blick ist.
Unter uns mehr als 2500 Meter Wassertiefe - über uns Unendlichkeit.
Kurz leuchten im Kielwasser fluoreszierende Quallen auf - welche Lebewesen sind dort noch?
Dann kommt die Müdigkeit, bleiern, schwer, kann auch sie nur mit Vertrauen schlafen gehen.
Ich schlafe draußen in lauer Luft.
Hans steuert uns durch die Nacht.
Wachwechsel um fünf Uhr.
Am Horizont hellt sich der Tag ganz langsam auf, die Sterne entziehen sich wieder meinem Blick
Morgenröte
intensiviert sich
eine leuchtend rote Sonne erscheint unmittelbar unter der schmalen Sichel des Mondes und auch er verblasst.
Guten Morgen