In der Bucht von Alvor angekommen

Hallo liebe LeserInnen, wir sind seit 31.10.20 in unserer ersten Überwinterungsbucht Alvor/ Algarve angekommen.
Zum Ankerplatz führt eine flache Lagune, die bei Ebbe deutlich schrumpft und den Fischern und Alvorern die Möglichkeit der Muschelanzucht und der Muschelernte gibt. Der angrenzende Fluss führt zu seichten Plätzen mit Inseln auf denen Flamingos leben.

An klaren Tagen schweben in ca. 2 Kilometer Entfernung Fallschirmspringer sacht zur Erde. In der Bucht liegen vor allem englische, französische , holländische und deutsche Yachten und Katamarane. Die portugiesischen Fischer, die jede Nacht ausschwärmen und morgens zurückkehren können sich beim Ankern in deren Fahrwasser lauthals beschweren, oder sie fahren so nah an den Booten vorbei, dass man freiwillig einen entfernteren Platz sucht – gegenseitiger Respekt ist wichtig 😉
In unmittelbarer Nähe zum Städtchen, das zwischen Lagos und Portimao liegt, gibt es Holzwege zum Strand, der ca 4 Kilometer lang und ca. 500 Meter breit ist. Er wird jeden Tag gesäubert und ist im Monat November nur spärlich besucht, ein paar Sonnenanbeter, Badende und Spaziergänger gibt es aber immer.

Obwohl das Meer so nah ist, schützt die Düne uns vor Schwell und bislang gab es selten Wind.

So liegen wir hier geschützt, eingebettet in eine schöne Landschaft mit gelegentlichem Chesna- Überflug und vorbeiziehenden Booten und Stand-up-Paddlern.

Da auch in Portimao Covid 19 bedingt ein Teil-Shutdown ausgerufen wurde, bleiben wir, bis Mitte Januar hier, so viel Ruhe und Normalität wird es eventuell nicht überall geben.
In Alvor, mag sein an der Algarve insgesamt, scheinen verschiedene Altersgruppen zu überwintern: junge Paare mit noch nicht schulreifen Kindern – Studenten – Menschen ab ca. Mitte 50, die den festen Job aufgegeben haben um eine Weile durch die Welt zu reisen – und Rentner, die entweder in einer Ferienwohnung, oder auf ihrem Segelboot ihren Lebensabend verbringen wollen.
Viele Segler sind Individualisten, spannende Charaktere, viele Menschen mit hohem technischen Verständnis für ihr Boot und alle seine Erfordernisse, und den meisten ist eine freundlich – aufgeschlossene Lebensart gemeinsam, nach dem Motto: „Leben und leben lassen“.
Wie verbringen wir nun unsere Zeit hier?
Zuerst wanderten wir viel, zum Meer, zu den Flamingos, machten eine Fahrradtour den Fluss entlang. Wir erkundeten Portimao um eine Internetflat zu organisieren, und Alvor um unsere Lebensmittel einzukaufen.
Dann gab es ein paar Tage, an denen ich haderte, ob ich vom Reisemodus in den Bleibemodus wechseln könne, oder Unzufriedenheit nähren wollte.
Und dann geschah ein seltsames Ereignis, das jeden in unserer Nähe irritierte: ein grosser Katamaran an einer Mooringtonne hatte sich in der Nacht verselbstständigt und lag morgens bei Ebbe am Strand, jeder dachte, dass er verlegt worden sei. Als wir realisierten, dass das große Schiff sich ohne andere zu touchieren einen neuen Parkplatz gesucht hatte, waren die deutschen Segler recht schnell verlinkt, der Eigner wurde angerufen, die hiesigen Segler vertäuten das Boot erst einmal sicher vor der nächsten Flut. Als der Eigner aus Deutschland eintraf, lud er alle Helfer zum Umtrunk ein und man koordinierte die vereinte Abschleppaktion und einen neuen Ankerplatz. Und so lernten wir: Matthias und Luisa, Kurt, Rheinhard, Tom und David kennen, manche sind hier schon lange, andere wie wir auf der langsamen Durchreise.
Darüber habe ich erneut gemerkt, wie wichtig mir auch nähere Kontakte sind, eine Einladung zum Tee, zum Helfen, ein Gespräch an der Pier, oder ein netter gemeinsamer Abend sind und bleiben Gold wert.
Seit wir die stabile Internetleitung haben, ist es auch leichter unsere Hobbies auszuführen. Hans nimmt wieder am Computerclub-Onlinetreffen teil, ich habe wieder einen „Yoga-Morgen“, via „ZOOM“ aus Itzehoe.
Da wir deutlich weniger Elektrogeräte an Bord haben benötigt auch Kochen, Backen, Spülen, die Wäsche entsprechend Zeit ( der Einbau der Waschmaschine war eine super! Idee). Unseren Lebensmitteleinkauf erledigen wir meist zu zweit, in 15 Minuten Entfernung liegt ein großes Geschäft.
Und: über die kostenlose duolingo App lerne ich gerade Portugiesisch, allerdings ist die Ausgangssprache Englisch, no problem.
Schwierig finde ich die Verschriftlichung der gehörten Sätze, werden doch viele Laute „verschluckt“ oder anders ausgesprochen als geschrieben.
Aber es macht Spaß und ich habe noch etliche Wochen Lernzeit hier, also keinen Stress.

 

Gedanken zum Schluss:
Die Sehnsucht nach Bedeutung und innerer Ruhe ist das,
was wir in diesem Leben miteinander teilen.
(Kalenderspruch ohne Quellenangabe)

22 Nov 2020

Ist das Kunst, oder kann das weg ?

Hallo liebe LeserInnen, bom dia, boa tarde, boa noite – je nachdem ob Du am Morgen, Nachmittag oder Abend diese Zeilen liest.
Heute beschreibe ich meine Gedanken, meine Begegnung und Anregungen zum Thema:

“ Ist das Kunst, oder kann das weg ?“
Diese Frage wurde einer Putzfrau, die künstlerische Installationen beschädigte zugeschrieben und auch  Joseph Beuys´ Installationen wurden mehrfach Opfer von Aufräumaktionen. Dies zeugt aber vom tatsächlich sehr unterschiedlichen Empfinden und Bewerten künstlerischen Ausdrucks eines Anderen. Ich habe in vielen Bildern, Tonskulpturen, Tanzsequenzen Ästhetik, Kunst, eigenständigen Ausdruck und Talent entdecken können, während der/die Gestaltende davon selbst nicht unbedingt überzeugt war. Ich war in Kunstateliers, kunsthandwerklichen Ausstellungen, Symposien, war oft begeistert und manchmal enttäuschten mich die gezeigten Exponate.

Manchmal arrangiert die Natur spannende Bildcollagen, Muschelansammlungen am Strand, Vogelfedern in Bäumen oder Strandgut, das wie hindrapiert wirkt und in der nächsten Flut verschwindet. Ist das Kunst ? Zufall? Da so vergänglich nicht der Rede wert? Was ist mit den tibetischen Sandmandalas, in langen meditativen und äußerst konzentrierten Arbeitsstunden gestaltet und in einem rituellen Wischen zerstört? (So wie der Künstler Lee Ming Wei, der in seiner Berliner Ausstellung: „Geschenke & Rituale“ die  Guernika von Picasso in Sand gestaltet hat und von mehreren Freiwilligen zu mamorierten Sandschlieren zusammenfegen ließ).

In alten Städten wie Muros, Porto und Lisboa ist der Mix aus historisch, alt, verfallen, durch Graffity oder natürlichen Bewuchs verändert – für das Auge eines Fotografen oder Betrachters spannend und bietet viel visuellen Anreiz. Mal wirkt das Gesamtbild künstlerisch, mal nur ein Detail.

Ich wollte z.B. ein frisch eingesätes Beet fotografieren, in dem dicht an dicht Tauben pickten, (das Ganze wirkte auf friedlichem Wege zerstörerisch, wahrscheinlich war der Gartenbesitzer nur kurz zum Essen), aber mein Kopf über der Einfriedung brachte alle Vögel sofort zum Auffliegen,(als wären sie sich ihres Frefels bewusst).Wie gerne hätte ich die Vogelschar während ihres Fressens, Aufblickens, Wegfliegens fotografiert.

Manchmal geben auch die Menschen durch ihre Anwesenheit einer Szene einen besonderen Anstrich: Sei es, dass ein Paar sich in Gegenlicht vor der Brücke Lisboas küsst, aber der befreundete Fotograf, der auf einem Bein auf einem Stein balanciert ist die lustige Figur, die jeden Vorbeigehenden amüsiert.

In einer Ausstellung zeitgenössischer Spanischer Fotografie in Santander waren die ausgestellten Portraits faszinierend, viele Fotografien waren aus den 60iger Jahren, die Blicke offen und ungestellt, nicht immer zwanghaft lächelnd sondern vielleicht auch irritiert, spöttisch, verächtlich, abwehrend. Unverstellter Gefühlsausdruck, der uns in dauernder Selfiemanie verloren zu gehen scheint. Und die Kunstausstellungsbesucher strichen handdesinfiziert und zahlerlesen vorsichtig mundmaskiert umeinander herum, auch wir: eine seltsam anmutende Spezies…

Dann die Naturbilder, das sich stetig verändernde Meer, die Luftbilder der Wolken – da jagt ein Hund einen fliegenden Drachen, dort schwebt ein Engel… und wahrscheinlich ist, je nach mentaler und emotionaler Stimmung des Betrachters, die Interpretation unterschiedlich.
Die Lichtstimmungen des Sonnenuntergangs – für Sonnenaufgänge bin ich als Langschläfer nicht geschaffen – hier geht die Sonne so rasant unter, dass innerhalb weniger Minuten das Orange / Rot/ Lila sich schnell intensivieren kann, kurz bevor alles ins Dunkel kippt.
Vor Lagos gibt es eine durch Auswaschung entstandene Felsenlandschaft, Hallen – Sandschlösser – die mit kleinen Booten befahren und bestaunt werden können. (Ponta da Pidade).

Elefant in der Wand

Viele Felsformationen der französischen Bretagne und der spanischen Nordküste gemahnten mich an liegende Riesen, alte Echsen, Schildkrötenmäuler, und kaum ein paar Minuten später, war diese Synthese von Standort, Lichteinfall und Assoziation weg, Illusion. Hans würde sagen: „konstruierte Wirklichkeit“.
Die Welt entsteht in unserem Kopf, mittels unserer Interpretation.
Dann entsteht auch Kunst in unserem Kopf, springt dem Einen ins Auge, während der Andere – dafür blind – vorüber läuft, etwas gänzlich Anderes als künstlerischen Ausdruck gelten lassen will.

Anregung zum Schluß:
Wie wäre es, wenn Du mir Deine „Kunst“ zeigst und ich Dir Meine   – sich jeder öffnete für eine neue Sicht?

22 Nov 2020

Was mich bislang das Leben auf dem Wasser lehrt

Hallo Ihr Alle zusammen, es wird Zeit einen weiteren Beitrag aus dem Kopf ins geschriebene Wort zu bringen.
Am 15.10.20 haben wir uns Cascais angesehen, die Ankerbucht zu Beginn des Rio Tejo ,der nach Lisboa/ Lissabon führt. Hier finden wir schon städtisches Flair, alte Villen die heute als Museen genutzt werden säumen das Ufer. Das auflaufende Wasser verbindet zwei Villen mit klarem Wasser, in dem immer noch Mitte Oktober Menschen schwimmen gehen. Nach Klettern im ufernahen Vulkangestein, das eine zerklüftete Landschaft mit kleinen Lagunen bildet, waren wir im Städtchen sagenhaft günstig einkaufen.
Ich mag die portugiesische Backkunst, die Natas, Vanillepudding gefüllte Blätterteig Körbchen, die zum Café com leite, (Milchkaffee) traumhaft schmecken, aber auch saftige Rührteigküchlein und Mandelgebäck könnten abhängig machen. Das alles für 5-8 Euro für zwei Personen, da lohnt sich täglicher Besuch. Aber das Ganze hat auch die Kehrseite, dass nach Einbrechen des Tourismus zur Zeit viele Geschäfte aufgegeben oder Angestellte entlassen werden, erzählte uns ein Kellner, der 15 Jahre in Köln gelebt hat und uns sofort als Deutsche identifizierte.Tatsächlich war in den Souvenierläden keine Kundschaft: glasierte Kacheln, gewebte Decken, Taschen – Schuhe – Geldbörsen aus Kork fanden keine Abnehmer.

 

Mein eigentliches Thema:“ Was das Segeln mich lehrt“ verbindet praktische Erfordernisse mit philosophischen Erkenntnissen …
Das Leben auf engem Raum bedeutet meist alltägliches Aufräumen des Lebensraums an Bord, nach dem Einkaufen, nach dem Essen, was zu Hause vielleicht länger liegen bleiben könnte, wird hier schnell lästig oder Stolperfalle oder Fliegen lockend. Draussen wird Aufklaren der Leinen und Segel verstauen nach jedem Segeltörn erforderlich, jeden Morgen nutzen wir das Tauwasser einmal trocknend über alle Flächen zu gehen.
Also : Ordnung nach Chaos, Struktur erhalten, auch wenns wiederholte Mühe macht.

Reparaturen am Boot, oder Ersatzteilbeschaffung sind dringlich und werden nicht verschoben, durchkreuzen manchmal die geplanten Aktivitäten.
Als wir plötzlich und unerwartet ein Fischernetz in der Steuerbordschraube „einfingen“, der Motor stehen blieb und das Freischneiden auf dem Meer nicht gefahrlos möglich war, mussten wir in den nächsten Hafen, ankerten, Hans tauchte zur Schraube und schnitt diese frei — unfreiwillige Unterbrechung der Reise, Aufregung und Unannehmlichkeiten sind um der Sicherheit willen in Kauf zu nehmen, groß ist die Entlastung hinterher, wenn alles wie gewohnt funktioniert.

Für längere Segelstrecken gilt: Durchhalten , auch wenns anstregend wird. Wie bei jedem Sport kann es zu Schwitzen, Herzklopfen, spontan geforderter Reaktionsfähigkeit und Muskeleinsatz kommen 😉

Beobachtende Aufmerksamkeit in Bezug auf Fischereizeichen – Entgegenkommer – Wetterveränderungen – Auftauchen von Delfinen – und das Absuchen der Wasserfläche nach Orcaflossen um die ganze Nordspanische Küstenlinie herum, Gott sei Dank hat sich diese Befürchtung nicht bestätigt.

In diesen Zeiten sind Kontakte in Häfen oder Städten recht reduziert, aber wenn sich neue Bekanntschaften ergeben, wie zur französichen Besatzung der O´Alen, oder zur Besatzung der niederländischen Zilveren Maan: die Begegnungen sind offen und zugewandt, freundlich, neugierig und grosszügig in Bezug auf Bewirtung, gegenseitigem Austausch nützlicher Tips und wohlwollend.
Und ich stelle am nächsten Tag noch fest, wie emotional sättigend diese Begegnungen sind, so dass ich lange innerlich davon zehren kann.

 

Meine persönlichen Herausforderungen sind: Geduld !!! meinem Partner und unerwarteten Pannen oder Veränderungen gegenüber – obwohl schon interessante Entwicklungen resultierten. Als sinnvoll hat sich z. B. bei Landgängen herausgestellt, dass bei unterschiedlicher Interessenlage getrennte Aktivitäten die eigene Batterie wieder aufladen und wir uns abends verschiedene Erlebnisse erzählen können. Was vor Monaten noch selbstverständlich war, nämlich der eigene Freiraum, wird manchmal auf dieser Reise zu zweit diskussions – und umsetzungswürdig. Und zwar für uns Beide gleichermaßen.

Spruch des Tages ( vom Yogiteeschildchen)

Wirst Du ein Teil des Ganzen – Wird Alles ein Teil von Dir

20 Okt 2020

Freizeitideen auf dem Wasser

Hallo an alle LeserInnen – ich sende einen herzlichen Gruß vom Ria de Ribadeo. Direkt vor der mächtigen Stahlbetonbrücke die ihn überspannt, liegt die kleine Marina, in der wir für 5 Tage Rast machen. Um uns herum viele Motorboote, meist klein und zum Angeln im Fluss oder an der vorgelagerten Felsenküste ausgelegt.
Ribadeo hat ein paar historische Bauten, eine malerische Holzbrücke, die der Eisenerzverschiffung diente und heute als Aussichtsplattform fungiert. Der Jakobsweg ist durch zahlreiche Tafeln und Hinweise gekennzeichnet

und vereinzelt haben wir Wanderrucksack-Beladene gesehen, aber wie auch in Pasaia ist die hiesige Unterkunft geschlossen.
Anders als in Deutschland müssen hier Gesichtsmasken nonstop getragen werden, Abstandsregeln gelten und überall stehen Desinfektionsmittelflaschen vor Restaurants,in Geschäften, seit dem Schulstart sehen wir auch Kinder, die die Masken permanent tragen. Da die meisten Restaurants Tische im Freien haben, bevorzugen viele Gäste diese, denn dann dürfen die Masken abgenommen werden. In Ribadesella fuhr die Polizei kontinuierlich Streife um die Maskenpflicht zu überwachen, Verstösse werden mit 200,- € geahndet. Einzig beim Sport darf die Maske abgenommen werden, gut sichtbar am Arm drapiert. Meinem Eindruck nach wird präventiv Alles getan, um beim nahenden Herbst und steigenden Grippeinfektionen eine weitere Covid 19 Katastrophe zu verhindern. In den Häfen wird uns beim Einchecken ein deutlicher touristischer Einbruch beschrieben, auch die Spanier machten mehr Urlaub im eigenen Land – deutsche Segelboote sehen wir kaum noch (allerdings endet auch die Saison…).

Eine Beobachtung möchte ich mitteilen: Auf der Strandpromenade und direkt am Strandsaum ist der morgendlich flotte Spaziergang oder das Joggen usus, allein oder zu zweit geht es stramm darum die Bucht zu umrunden. Das Alter spielt dabei keine Rolle, der Strand hat dadurch eine ganz andere Dynamik als die „Liegewiese“ wie ich sie sonst kenne. Und natürlich sind an Wochenenden auch Rennradgruppen unterwegs, mag die Landschaft noch so gebirgig sein.
Das bringt mich auf die Idee Aktivitäten auf dem Wasser zu beschreiben, die ich vor allem beim Ankern, aber auch im Hafen beobachten konnte.
In Frankreich waren es die Segelschulen, beginnend mit den Ausfahrten der 3-6 jährigen, die wie Entchen hinterher gezogen wurden, fortgesetzt mit den Optimisten verschiedener Altersklassen und den Hobycats. Begeisterte Kinder, die hintereinander vertäut fröhlich rufend aus dem Hafen geschleppt werden und je nach Wind kehren sie erschöpft mit heißen Gesichtern wieder. Surfschulen sind sowohl in Frankreich als auch Spanien zu beobachten, die Surfer, die besonders geschickt sind haben bereits Foils, die sie vom Wasser abheben und widerstandslos gleiten lassen. An der rauhen Küste vor Ijmeuiden zeigten Kitesurfer erstaunliche Kapriolen, während mir beim Beobachten das Gesicht sandgestrahlt wurde. In den Brandungswellen von Ribadesella tummelten sich Wellenreiter mit ihren Boards, unermüdlich die optimale Surfwelle suchend.
Sehr regen Zulauf erhält auf jeden Fall das Standup – Paddeln, die Boards kurz SUP genannt- Manche besitzen sie bereits, die Meisten leihen sie aus. Auf holländischen Grachten, in Häfen, zwischen ankernden Booten, als Kinderfreizeit, Familienevent und just for fun. Zunächst wird im Wesentlichen Auf- und Absteigen geübt. Beim Wettrennen fahren oder zu zweit auf einem Board entstehen kuriose Situationen. Selten habe ich so viel Lachen und gute Laune auf dem Wasser beobachtet, wie in der Bucht von San Sebastian, wenn eine Gruppe von 10 Menschen auf einem Riesenbrett paddelnd die höchste Flutwelle erreicht, alle aufstehen und schreiend die Welle surfen um danach ins Wasser zu springen. Alle trugen wie beim Rafting Schwimmweste und Helm – es waren hauptsächlich Männer abenteuersuchend und leidensbereit.
Und die Ruderer in Vierer-, Achter-, und Zwölfergruppen, die in reinen Männer- oder Frauengruppen unermüdlich in Pasaia und San Sebastian für ein traditionelles Rennen trainierten, das ursprünglich im Walfang begründet liegt, ( die Männer mussten nach der Harpunierung zum Wal hinausrudern und ihn bis zu seiner Erschöpfung verfolgen). In der Woche vorher regnete es oft ausgiebig und wir beobachteten von unserem „Wohnzimmer“ aus die klitschnassen jungen Männer und Frauen, die ihre zwei stündigen Trainingseinheit deswegen nicht ausfallen ließen.
Dann die vielen Schwimmer: hauptsächlich kraulend durchpflügen sie die Buchten, sich kennzeichnend mit Ballons in neopink oder -rot, aber auch etliche Paare oder FreundInnen, die miteinander ins Gespräch vertieft in aller Ruhe ihre Strecke schwimmen.
Technikfreaks stehen auf die teure Leihmöglichkeit von Wassermopeds. Laut, hohe Wasser- Fontänen sprühend und mit Fahrern, die gierig darauf warten, nach der Hafenausfahrt aufdrehen zu können, was das Zeug hält. In Les Sables D`Olonne war ich nach 3 Tagen in deren „Einfuhrschneise“ Gegner dieser Fortbewegungsart, weil sie durch ihren Lärmpegel zu viele andere Mitmenschen beeinträchtigt.

Wasserski und das Nachziehen von runden Plattformen, auf denen sich bis zu vier Menschen bäuchlings festhalten, gehören auch zu diesem Benzin vernichtenden
Freizeitsport, aber ich hatte beim Zusehen Spass und die johlenden Menschen wohl auch, will ich mal gnädig sein 😉

Seit ca. 20. September ist es in Asturien merklich kühler und regnerischer geworden, die Badesaison endet.
Ich verabschiede mich von Euch mit folgendem Zitat (unbekannter Autor) – da er aufs Wesentliche hinweist…

Ein Schwimmtrainer tröstend am Ende der Saison:
“ Unsere Mannschaft hat zwar nirgends gewonnen,
aber es ist auch keiner ertrunken.“

27 Sep 2020

Wie Wattwürmer Freundschaft stiften

Hallo liebe LeserInnen, nach einer vollen Woche in Pasajes/ Pasaia und der Bucht von San Sebastian melde ich mich zurück.

Die Einfahrt nach Pasajes war durch lange Dünung und einsetzenden Regen kniffelig. Die Seekarte zeigte die Schlucht deutlich auf, aber sie war aufgrund der dunklen Felsen und Witterung kaum zu sehen. So fühlte es sich spannend und aufregend an, als wir endlich die Bergseiten unterscheiden konnten und die Furt sich öffnete, ein dahinterliegendes Becken zeigte.

 (Ein paar Tage später wurde uns beim Spaziergang klar, welch große Schiffe per Lotsen und Bugsier hindurch passen …).


Im kleinen Sportboothafen festgemacht, ging es auf Erkundungsspaziergang, den Hans alleine fortsetzte, da mir das Wetter zu ungemütlich wurde. Es sollte das ganze Wochenende stark regnen.

Hans kam fröhlich wieder und erzählte von einer gefundenen Wattwurm gefüllten Dose, die er am Ufer stehenden Anglern überreicht habe. Dies führte zum Austausch, der beim Serveso = Bier in der Kneipe fortgesetzt wurde. Als sich Hans verabschiedete lud einer der Männer, Aurelio, Hans inklusive Frau zum Abendessen ein. Etwas überrascht , aber auch neugierig sagte ich zu, und im einstündigen Fußmarsch am Flussufer entlang, der Pasajes und San Sebastian trennt, wurden wir ordentlich nass geregnet. Um Aurelios Zuhause zu erfragen mussten wir aufgrund dieser nahen Ortschaftsgrenze noch einige Passanten fragen und verwirren, bis endlich eine Baskin mittels Hans Handy bei Aurelio anrief, der uns entgegen gelaufen kam. Wir wurden in einen verwinkelten Garten mit Laube gebeten, lernten seine Frau Ana und ihre 6 jährige Tochter Nadia kennen. Das Abendessen war opulent und schmackhaft, die Gastfreundschaft herzlich und es wurde ein fröhlicher Abend, der mit dem Service endete, dass wir per Auto zurück gebracht wurden, während ein heftiges Gewitter den Himmel erhellte.
Es folgten noch einige Verabredungen, wir zeigten bei Kaffee und Kuchen den Kat, am nächsten Tag startete die Ausfahrt in die Bucht von San Sebastian, für unsere Gäste das erste Mal segeln und eine neue Perspektive auf ihre Heimat. Beim anschließenden Ankern wurde wieder mit Hilfe eines Übersetzungsprogrammes zwischen Spanisch-Russisch und Deutsch hin und her erzählt, denn Aurelio und Ana sind vor 20 Jahren aus der Ukraine ausgewandert. Nadia war glücklich mit mir vom Kat aus ins Wasser zu hüpfen und auf dem Trampolin zu springen.
Der gestrige Abschiedstag war ein Fest, Ausflug in die Berge zu einer Winzerei, die Cidre herstellt; vier verschiedene Apfelsorten werden ohne Zuckerzugabe vergoren, es entsteht ein recht herber, frischer Cidre, der kaum moussiert. Wie dieser aus grosser Höhe in die Gläser abgefüllt wird ist eine lustige Angelegenheit, auch war es interessant die grossen Holzfässer zu besichtigen und zu üben, die Gläser in den dünnen Ausgussstrahl zu positionieren um sie zu befüllen.
Die Verabschiedung am Abend fiel uns allen schwer, ich glaube wir haben alle viel voneinander gelernt und unsere Gesellschaft genossen.

Meine Schwester Ulrike meinte:“ genau für diese Art von Verständigung und spontaner Freundschaft seid Ihr doch los gezogen“ und recht hat sie!

Spruch des Tages:
Wenn Du etwas festhalten willst, musst Du es für einen Augenblick loslassen.
Wenn Du etwas loslassen willst, musst Du es für einen Augenblick festhalten.

Laotse

04 Sep 2020

Essen an Bord -1-

Hallo liebe LeserInnen und Leser – ein herzliches Willkommen.

Während vor mir in La Rochelle ein hochdotiertes Hafenkino stattfindet, da wir direkt am Visitor-Steg liegen, macht das Schreiben umso mehr Spass. Hochdotiert deshalb,weil die funkelnagelneuen Katamarane der in La Rochelle ansässigen Fountaine Pajot-Werft hier fertig aufbereitet werden, von eingespielten Crews mal ausgefahren und von potentiellen Eignerpaaren besichtigt werden. Die Dimensionen sprengen so manches Größenverhältnis im Vorstellungsvermögen, und vielen Besuchern bleibt der Mund offen und wässrig stehen, allerdings:ohne größere Crew, Riesenstege und weite Rangierbecken im Hafen geht dann nichts mehr ….

Nun aber zum eigentlichen Thema, nämlich dem Essen an Bord.

Oft heisst es so schön: essen muss man ja überall und mancher Restaurantbesuch stellt vielleicht ein Highlight dar, macht mit unbekannten Geschmacks-und Zubereitungsweisen vertraut, oder geht als ein besonders stimmungsvoller Abend in die gemeinsame Geschichte ein.

Was ich gerne beschreiben möchte sind die Variablen, die ich nutze um aus saisionalen Produkten und einfachen Zutaten eine sommerlich leichte und abwechslungsreiche Kost zu kreieren.

Heute würde ich die wichtigsten Zutaten mit Kräutern und Gewürzen benennen, danach die gute Qualität von regionalen Gemüsen und Früchten des Marktes, frisch gefangenen ! unschlagbar! ( oder gekauften) Fisch bzw. Meeresfrüchte und bei uns nur noch selten: Fleisch.

Zu den Gewürzen: Ingwer, Knoblauch ( Zwiebel),Kreuzkümmel ,Kurkuma, Pfeffer werden in der letzten Zeit mehr mit Salzzitronen, Chili, Minze und Koriander ergänzt, die marokkanische Küche oder auch die indische hat mich dazu angeregt. Ganz wichtig auch mediterrane Kräuter, Petersilie, je frischer, je aromatischer.

Als Basis habe ich viele Jahre Nudeln und Reis mitgenommen, das ist auf Dauer viel zu eintönig: also kamen Quinoa, rote und braune Linsen, Polenta,Kichererbsen, Bohnen, Dinkelreis und Hafer sowie eine Getreidequetsche mit.

Auch Samen fürs Keimgerät sichern gehaltvolle Ergänzung zu Salaten oder als Brotbelag. Hülsenfrüchte werden durch längeres einweichen vor dem Kochen nicht nur verträglicher gestimmt, sondern auch in ihrer Nährstoffverfügbarkeit aktiviert.

Gute Öle finden sich nicht nur in Olivenöl,Rapsöl und Pflanzenfetten, sondern auch in Nüssen, die ich unter Salate, Müsli und Backwaren gebe.

Ach so, für die Süsse von Obstsalat, Nachspeisen oder Gebäck nutze ich neben unraffiniertem Zucker fast nur noch Trockenfrüchte wie Datteln Feigen, Rosinen, Cranberries oder frische Orangen.

Denn beim Segeln gilt: es soll nicht nur schmecken sondern nachhaltig sättigen.

Ich möchte hier nicht auf Lagerung und die normale Routine des Lebensmittelchecks eingehen, nur soviel: Rieseneinkäufe können schnell auch zusammen verderben, deshalb kaufen wir gezielt und mit dosierter Vielfalt ein, sanft behandelt wird alles so ruhig,kühl und dunkel wie möglich gelagert. Teils auch in Gefäßen wegen der Etylenausdünstung verschlossen.

Noch Rezepte?

Gratinierte Austern für zwei Personen ,( al Hans)

12 Austern öffnen und auslösen, in einer Hälfte belassen

aus Butter, Zitronenzesten, frisch gemachten Semmelbröseln, Salz und Pfeffer eine Paste herstellen, die als luftigen Deckel auf die Austern gelegt wird

im Ofen ca 5-10 Min. ,je nach Überbackungshitze des Ofens gratinieren.

Zucchini – Tomaten – Nuss – Mozarella Auflauf plus Baguette

Nüsse grob mahlen, alle anderen Zutaten in lange , schmale Scheiben schneiden

eine Auflaufform ausfetten, die Zucchinischeiben als Basis hineinlegen, salzen, pfeffern

eine grobe „Frace“ herstellen, aus Haselnüssen, oder Cashew, oder Walnuss oder Mischung plus Kapern (2 Eßl), schwarze oder grüne Oliven (ca, 100g) , etwas Olivenöl und Kräutern der Provence, Salz, Pfeffer …

Zwischen Zucchini- und Tomatenschichten wird diese Nussmasse aufgestrichen

Die letzte Schicht bildet der fein geschnittene Mozzarella

So lange bei 180 Grad im Ofen belassen, bis die Zucchini weich unter der Gabel nachgibt.

So, mit diesen kleinen Schmankerln verabschiede ich mich, ich schaue immer noch aufs mobile Leben zu Wasser vor mir und wurde schon mehrfach mit Nicken hinter meinem Laptop gewürdigt , GRINS, schriftstellerisch im Hafen tätig zu sein ist nice, auch weil ich nicht dauernd an meiner Bräune arbeiten kann 😉

Abgewandelter Spruch des Tages:

Wende Dein Gesicht der Sonne zu

dann fallen die Falten um Dich.

 

( Quatsch – Joke )

„Wende Dein Gesicht der Sonne zu,

dann fallen die Schatten hinter Dich“.

Inayat Khan

20 Aug 2020

Hafen versus Ankerplatz

Hallo Zusammen, aus dem umtriebigen Hafen von Les Sables d`Olonne, bei strahlend blauem Himmel und Sommerfeeling habe ich mir die Gegenüberstellung von Hafen-Übernachtung und Ankern vorgenommen.
Die meisten Nicht-Segler würden wahrscheinlich diese Frage kaum stellen, ist der Hafen doch assoziiert mit Windberuhigung, Sicherheit, Versorgung und Komfort. Auch der mögliche Kontakt zu anderen Seglern, die Nähe zu Lokalen, Geschäften, das Sightseeing in der Stadt locken in einen Hafen.
Nun ist es mit einem Katamaran meist wegen der Breite schwieriger kleine Häfen aufzusuchen, so dass meist eine moderne Marina, oder das Gegenteil davon,ein Fischereihafen angesteuert werden muss. Nachdem wir jetzt einige Nächte geankert haben, fällt mir vor allem nachteilig die Kakaphonie der Geräusche, die ständig vorbeiziehende Seglerschar und die mangelnde Ruhe bzw. die fehlenden Naturgeräusche auf. Und jetzt kommts: die Hafengebühren in Deutschland, Dänemark , Schweden sind sehr human im Vergleich zu größeren Häfen der Niederlande und Frankreich; wir haben schon läuten hören,dass es sich steigern wird.

Vorausgesetzt die Bucht liegt geschützt und der Wind bringt es während der Nacht nicht deutlich über 4 Windstärken ist es beim Ankern meist folgender maßen:
Nach Anker fallen und der Überprüfung ob er hält, bzw. Installieren des Ankeralarms kehrt Ruhe ein. Wenn das Wetter schön ist, kann über die Badeleiter sofort ein Schwimmchen genommen werden, hier ist das Wasser so klar, dass man den hellen Sand unter sich sehen kann. Je nach Ankerbucht haben wir den Platz für uns alleine, oder die anderen Ankerlieger sind in Rufweite, aber jeder lässt dem Anderen Freiraum. Per Schlauchboot ist es möglich an den Strand oder in einen Gezeitenhafen zu gelangen, wenn uns der Sinn danach steht.
Lustig war bis jetzt, dass in Küstennähe gerne vorbei schwimmende Menschen ein Schwätzchen hielten, fragten wo wir her kämen und ich mein rudimentäres Französisch auspacken konnte.( Mon Dieu, quelle katastrophe…).Ich staunte, dass von der Sonnenhut geschützten Französin bis zum Ballon gekennzeichneten Sportler dem Wetter trotzend geschwommen wird.
Hans hat lange am Satz: „Je ne parle pas francais“ geübt und lässt dann seinen Charme spielen.
Zurück zum Ankern: Die Natur liefert den Hintergrund und das macht sie mit zunehmend rauer Felsenkulisse, Strandflecken, die durch den Tidenhub von 4-6 Metern komplett wieder im Meer verschwinden
und Einblicke in kleine Dörfer,die sich geschützt in die Senken ducken. Dazu die Geräusche, an deren Pegel ich mich schon gewöhnen musste,denn nachts ist das schrille Geschrei der Seevögel nicht wesentlich unterbrochen und das Meeresrauschen, Gluckern, Pütschern hört sich dominanter an. Aber das leise Geplauder anderer Ankerlieger, das Lachen der spielenden Menschen am Strand und manchmal auch ein nächtliches französisches Lied, gerne mehrstimmig intoniert sind Ohrenschmeichler. Und mit frisch gefangenem, gebratenem Fisch, Tomaten-Mozzarella Salat und frischem Baquette das Abendessen mit Blick in die Natur einzunehmen ist verdiente Labsal nach langem Segeltag.
Spruch des Tages: von Rumi
„Das Herz bereitet einen Topf voll Speisen für Dich zu
hab Geduld bis es kocht“.

04 Aug 2020

Holländische Lebensart

Hausboote und kreative Pflanzenideen entlang des Kanals Richtung Rotterdam

Hallo everybody – entlang der Kanalstrecke Ijmoiden – Haarlem – Alphen aan den Rijn gab es viele interessante, individuelle Häuser, Hausboote und Grundstücke zu bestaunen. Haarlem auswärts säumten Kolonien von flachen Pontons mit Hausbooten den Kanal, auf engstem Raum konnte ich außen Loungemöbel auf terrassierten Ebenen sehen, vor oder neben jedem Ponton ein kleines „Einkaufsboot“, flach, damit es durch jede Brücke und in jede Gracht einfahren kann. Kaum vorhandener Stellplatz oder Minigrundstücke waren mit Pflanzkübeln und Dekorationslaternen oder -objekten bedeckt.
In einem Garten war ein zierlicher Baum komplett mit Teetassen auf Untertellern, Früchten gleich behängt, vielleicht der Innenhof eines kleinen Cafés oder einer PorzellanliebhaberIn? Da die Tassenöffnungen evtl. auch den Regen sammeln,stelle ich es mir spannend vor, wenn sie sich füllen und den Inhalt balancieren.
Vier gut restaurierte Mühlen stehen auf dieser Strecke, einer weiteren fehlt Aufbau und Windflügel. Vor uns, an unserem Liegeplatz etwas außerhalb der Stadt Alphen aan den Rijn dreht sich gerade eine frühere Getreidemühle in den vorhandenen 5 Windstärken, sie überragt die niedriger bebaute Uferlinie – Tradition und Moderne nebeneinander.


Zur Haipule: Anscheinend befahren nur sehr wenige Katamarane die Stehende Masten Route – mag daran liegen, dass die maximale Breite der Schiffe mit 7,50 Metern angegeben ist. Die Berufsschifffahrt mit Binnenmotorschiffen ist hier genauso vertreten, wie Yachtis und Motoryachten, zur Zeit hauptsächlich aus den Niederlanden, Dänemark und Deutschland. Es ist bewundernswert, die routiniert die langen Schuten, Wasserhotels und ähnliche Boote durch die automatisch geschalteten Brücken zirkeln, oft eine Flotte kleiner Schiffe im Convoi mit sich führend.
Gestern machte die Backbordseitenlinie unseres Kats bei starker Strömung und enger Durchfahrt unter einer Autobahnbrücke unsanft Bekanntschaft mit den Holzverblendungen der gemauerten Durchfahrt – ein kurzer Schreck und Hans schnelle Reaktion ließen alles glimpflich ausgehen.
Auf was wollte ich ursprungs hinaus? Genau, weil eben so selten Kats in diesem Gewässer auftauchen werden wir angestrahlt, winkend oder mit Daumen hoch begrüßt oder auf der Pier auf unseren Kat angesprochen, was natürlich Laune macht und uns stolz.
Abschliessend noch eine atmosphärische Beschreibung:
Als wir in Haarlem, mitten in der Stadt angelegt hatten und uns eine gut gelaunte Stadtmitarbeiterin Wichtiges erklärt hatte, saßen wir, nach dem Abendessen bei milden Temperaturen draussen. Auf der anderen Grachtseite begann ein Guitarrist, begleitet von 3 weiteren Freunden/ Sängern Rockballaden zu spielen, die Passanten blieben eine Weile stehen, lauschten, ein Fahrradfahrer stieg ab und hörte lange zu. Es entstand eine schwebend-leichte Stimmung, die zu entspannten Sommerabenden passt, nichts fordert, sondern beschenkt. Die Musik bezog alle ein, die Anwohner, wie die Spaziergänger, die Touristen, die Grachtenboote , den langsam dämmernden Abend – entschleunigte und schuf Kontakt – ein magischer Moment, an den ich dankbar denke.
Soviel heute zu meinen gesammelten Eindrücken, Danke für Motivation und Rückmeldungen zum ersten Beitrag, mit liebem Gruss Birgit

Spruch des Tages:
„Irgendwann nimmt die Seele die Farbe Deiner Gedanken an“- Marc Aurel

05 Jul 2020

Von Lummen und anderen Kuriositäten

So, liebe Gemeinde, dann will ich mein Versprechen einlösen, etwas aus meiner persönlich- weiblichen – pragmatischen oder mal philosophischen Sicht zu schreiben. Hans schreibt den Newsletter, ich unabhängig davon kleine Episoden, Gedanken, Eindrücke auf unserer Reise. Ich habe mir gedacht, dass ich meinen Freunden und meiner Familie Ähnliches im Gespräch, per Brief oder per Email berichten würde – wer mich nicht so gut kennt, mag mich auf diese Weise vielleicht besser kennen lernen. Kommentare (bitte per Mail) sind gern gesehen und stehen Euch frei.
Meinen Geburtstag haben wir in Amsterdam verbracht, (herzlichen Dank an dieser Stelle an Alle, die mich mit lieben Grüssen bedachten), zwar herrscht in Bus und Bahn noch Maskenpflicht, aber in Lokalen und Cafés ist kaum mehr Einschränkendes zu bemerken. Viel touristisches Leben an und auf den Grachten und vor manchem besonderen Schuh-Uhren-Schmuckgeschäft wurde gerne in langen Schlangen, den Abstandsregeln genügend gewartet. Vom reichlich konsumierten und angebotenen „Graskonsum“ war in manchen Gassen deutlich mehr zu riechen und Auswirkungen zu sehen, als auf größeren Plätzen, reichlich Polizeipräsenz ist uns auch aufgefallen. Viel Freiheit versus entsprechender Kontrolle ?!

Zum Segeln: Segeln , so wie der Wind uns bläst, gestaltet sich als Ausdauersport, unterbrochen ,mit in unserem Fall westwind-bedingten Hafenpausen. Das hies also um 05.00Uhr ablegen in Helgoland, bis abends spät Borkum erreicht war. Zwei weitere Tage ca. 06.00 Uhr aufstehen um ca. 19.00 Uhr Nähe Vlieland zu ankern oder in Ijmoiden einen Liegeplatz zu finden. Noch fällt mir dieser Rhythmus nicht zu und wenn es dann die ganze Nacht mit 5-6 Windstärken bläst ist die Nachtruhe kein Geschenk. Aber: was nicht ist kann ja noch werden, obwohl bislang alles auf dem Kat funktioniert hat, will ich anscheinend immer noch aufpassen – (Schwäche von mir :-))


Dann will ich noch schildern, wie mich die Lummen auf Helgoland mal wieder beeindruckten. Sie brüten gerade, zupfen für Ihre Liebste das karge Grün um ein Mininest zu kreieren. Allzu oft verwenden sie allerdings Fischereimüll , lange Plastikfäden aus Netzen werden auf steile Felsen geflogen und teils 40 cm aufgetürmt. Es tut weh zu sehen, wie die instabilen, frisch geschlüpften Kükenköpfchen bereits Fäden aus dem Plastiknest zu ziehen versuchen. Möge es Ihnen nicht gelingen…Und mich rührte an,wie dicht die Lummen brüten, auf den eigenen kleinen Raum bedacht und ihn zäh verteidigend, aber auch als Teil der Kolonie in großer Nähe funktionierend. ( Alle anderen Vogelkolonien eingeschlossen, die Lummen sind den Beobachtungsposten am nähesten.)
Wenn wir die intelligente Spezies sind, warum fällt uns das so schwer? (M)eine mögliche Antwort – weil gelingende Gemeinschaft auch immer das anteilige Aufgeben des Egoanspruches erforderlich macht.
Machts gut, bis demnächst…. Eure Birgit
Spruch des Tages:
„Ein Mensch ist, Gott sei Dank sich selbst genug, aber dennoch vermögen zehn in Liebe vereinte Menschen mehr als zehntausend vereinzelte.“ Thomas Carlyle (1795- 1881)

30 Jun 2020

Saildrive Schaden 2017

Schaden am Saildrive (2017 währen des Sommertörn)

Weil diese Geschichte aus technischer Sicht doch außergewöhnlich ist wollen wir sie hier erzählen.

Alles begann mit einer kleinen Ölsur am Heck des Backbordrumpfes.
Der Sache bin ich dann auf den Grund unseres Backbord-Maschinenraumes nachgegangen und habe den Ölstabmeßstab des Saildrive kontrolliert.

Hier offenbarte sich die Bescherung, was da vom Ölstab tropfte war bereits eine Emulsion. Da war Seewasser wo es nicht hin gehört.
Ein Blick in die technischen Unterlagen zeigt dass im unteren Bereich des Saildrive zwei so genannte Simmeringe auf der Welle sitzen.
Einer hält das Öl drinnen im Saildiveschaft und der Andere das Salzwasser draussen. Da nun Wasser im Öl war, waren vermutlich beide undicht geworden, zu welchem Zeitpunkt auch immer. Da ein größerer Ölverlust am Messstab nicht zu erkennen war, und sich nur ein sehr kleiner Ölfilm direkt nach dem Anlegemannöver gezeigt hatte konnt die Undichtigkeit nur klein sein.
Nichts desto trotz muss das schnell repariert werden! Auf keinen Fall wollten wir mit einer Ölsperre um unser Boot herum von der Umweltbehörde an die Kette gelegt werden.
Also Werft mit Kran suchen und eine Yanmar Vertragswerkstatt.
Juhu beides gleich nebeneinander in Kappeln.
„Ja,  wir Kranen eueren Katamaran sogar mit Mast.“  und “ Ja, wir haben die benötigten Teile im Lager“. 
So viel Glück ??….. da kommt was nach! … und so kam es dann auch:

Haipule an Land heben, kein Problem, die Leute von Ancker-Yachting verstehen ihr Handwerk.-Prima-
Saildrive-Getriebe-Welle aus dem unteren Schaft ziehen, kein Problem, für den Monteur von von Kiesow. -Prima-
Auch die Wellendichtung austauschen kein Problem.
Dann kurz vor dem Zusammenbau…

Uuups ! ?? Was ist das denn?? „Aha !! Ach -neee!…. gibts doch gar nicht … hab ich so noch nie gesehen“

Was war passiert? und wurde jetzt entdeckt?

Aus einem Wälzlager hatte sich einer der kleinen zylinderförmigen Stifte herausgelöst und derart im Kegelrad verkeilt, dass das Kegelrad
den Stift durch die Außenhaut des Saildrive „geschossen“ hat.

In der Außenhülle des Saildrive war ein Loch von ca. 2 Millimetern und darin steckte noch ein abgebrochener Rest des Stiftes.

Nachgefragt bei den Leuten die sich auskennen: „Was tun??“
„…also: den Saildrive ausbauen, zerlegen, das Wälzlager austauschen die defekten Zahnräder austauschen, eine Saildrive-chassis ordern, und das Innenleben in das neue Saildrive-chassis einbauen, alles wieder anbauen ähem.. ,, nun..ja,,. für den Preis kriegen Sie auch einen Neuen.“

Soso Aha. damit gab es wohl keine andere vernünftige Alternative. 

Und hier die Bilder:

 

 

12 Sep 2017

Diebstahl ..versuch.

Es war nur eine Frage der Zeit wann es das erste Mal auch uns mit der Haipule treffen würde.

Ja es gibt sie, … diejenigen, die einfach haben wollen… auch wenn die Sache bereits einem anderen schon gehört.

So hat irgend-WER?? in der Zeit zwischen Samstag 17.10. und Mittwoch 21.10.15 versucht unser Beiboot zu stehlen.
Ich gehe davon aus, dass mehrere Täter am Werk waren, das sieht man auch an den versch. Fußabdrücken.

Als ich heute an der Halle ankam sah das so aus:
Die RÄUBER ! kamen allem Anschein nach an der Ecke der Halle über die Weide in das umzäunte Gelände,
-dort war der Nato-Draht zuückgeschoben worden. (..den Nato-Draht habe ich wieder gerichtet).

Das Beiboot war mit dem Heck fast bis unten, und der Bug zur Hälfte herabgelassen.
Dazu haben die Täter die Außenbordleiter herabgeklappt und sind an Bord gestiegen.
Zwei Persenninggurte waren (vermutlich mit einem Messer) zerschnitten, und die Persenning war am Heck hochgeklappt.

Zum Glück war das Beiboot mit eiinem Schloß an die Haipule gekettet,
und der Motor mit einem extra Schloß gesichert.

Schaden: Glücklicherweise „nur“ zwei zerschnittene Persenninggurte… aber das Vertrauen in die Sicjherheit des Geländes
ist „erheblich“ erschüttert.

Hier  noch ein paar Tatort-fotos:

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21 Okt 2015

Tracks und Routen in Googleearth anzeigen

Hier beschreibe ich wie man Tracks , z.B. aus OpenCPN in Googleearth abbilden kann.
Wie man aus OpenCPN Tracks eine KML – Datei erzeugt wird dort beschrieben. 

  1. lade Googleearth (GE) herunter und installiere GE
  2. gehe zu einem Törnbericht der dich interessiert
  3. lade die entsprechende KML Datei herunter (Link „KML“)
    öffne die heruntergeladene KML-Datei , wenn GE bereits installiert ist wird sich GE öffnen und die Route anzeigen

12 Aug 2015