Die Balearen bestätigen meine Vorurteile nicht

Ich hatte Ibiza zum Hippieparadies verklärt, Mallorca auf „Ballermannstrand“ und Massentourismus reduziert und uber Formentera und Menorca „Kleinode, zum Wandern geeignet“ gelesen.
Vor allem vermutete ich, dass das Erkunden auf dem Wasserweg und als Ankerareal mehr Dimensionen eröffnen würde – denn einen Hafenplatz als Katamaran ohne vorzeitige Anmeldung zu erhalten stellte sich gleich als schwierig heraus.
Vor allem an Mallorcas Ostküste und auf Menorca gab es viele schützende Buchten, wenn wir rechtzeitig – am frühen Nachmittag da waren. Nur zweimal wurden wir von Starkwind und Gewitterböen überrascht, beide Male waren seglerisches Geschick und aufmerksames Beobachten , auch der anderen Ankerlieger wichtig.
Zum Ankern gehören die stetig veränderten Wellengeräusche, das veränderliche Treiben der kleinen Motorboote , die als Tageslieger kommen , all die sportlichen Aktivitäten im Ankerfeld und das bunte Gemisch von großen und kleinen Yachten , manche Besatzung in Dauerfeierlaune, Karaoke singend , in verschiedensten Sprachen.
Dies war zunächst gewöhnungsbedürftig, nach und nach bildete es eine freundliche Hintergrund-Kulisse.
Ich empfinde die Spanier als recht tolerant und entspannt, oft wurden Flamenco Rhythmen geklatscht und lauthals Schlager mitgesungen oder Lieder gemeinsam intoniert – das war mir sehr sympathisch.
Allerdings gab es auch immer wieder schnelle Jetskies oder Motoryachten, die mittels Lautsprecher ihren Musikgeschmack auf die halbe Bucht übertrugen – hierfür gibt es von mir die Goldene Zitrone !
Ich habe im Blog schon einmal über die Fülle von Wasseraktivitäten gesprochen, im Moment sind Elektro- oder Motor Scatebretter mit Foil groß im Kommen, die Helm bewehrten Männer versuchen hohe Geschwindigkeiten auf dem Wasser aus zu balancieren.


In der zweiten und dritten Augustwoche besuchten uns Christina und Thomas, sie landeten in Palma de Mallorca und bei fast ausschließlich sonnigem Wetter genossen wir etliche Calas beim Ankern, schwimmen und SUPen, und erkundeten in verschiedenen Besuchen die sehenswerte Hauptstadt Palma. Vor allem die alteingesessenen Cafees und Bäckereien haben uns begeistert .

Die Gespräche beim langen Frühstück, das gemeinsame Kochen und die abendlichen Reflektionen waren Balsam.
Dieser „Badeurlaub“ war für uns alle erholsam, manchmal gibt Besuch ja auch die Erlaubnis auszuspannen und verstärkt zu genießen. An dieser Stelle einen herzlichen Gruss an Euch – schön war’s !

Formentera :

Direkt zu Beginn an der Nordseite Formenteras liegt eine gut frequentierte Ankerbucht, in der flachen Lagune lässt sich ausgiebig schwimmen, schnorcheln und auf hellem Sand erscheint das Meer türkis, das seichte Wasser ist warm und bringt mir Hochglanzaufnahmen ins Gedächtnis. Dieses direkt zu genieẞen ist fantastisch. Das Poseidongras hat sich durch die Wellenbewegungen mit seinen fedrigen Blüten zu Bällchen bis zu 5cm Größe filzen lassen, in oval und rund sammele ich sie auf.
In der Fähr -Verbindung Formentera – Ibiza und Mallorca wird die Insel zum Baden und Wandern von den Balearia angesteuert.

Ibiza

Auch hier sind die schönen Ankerbuchten bemerkenswert. Hier erlebten wir zum ersten Mal, dass “ die Gemeinde “ sich zum Sonnenuntergang versammelte um den Sonnenuntergang abzuwarten, und als die Sonne im Meer versank folgte ein gemeinsames Raunen und Klatschen, als hätte der Pilot eine gelungene Landung gemeistert. Wunderlich.
Mir fiel der naturorientierte Dekorationsstil auf, Seegras geflochtene Lampenschirme, Teppiche, Naturtöne und weiße Kleidung / Kleider mit viel Stickerei . Hippies oder Neo- Hippies habe ich weniger gesehen, wir haben keinen der angesagten abendlichen Kunsthandwerkermärkte besuchen können.
Da die Balearen das langsam wachsende und als die Kinderstube vieler Fischarten geltende Poseidongras schützen wollen, darf man an vielen Stellen nur noch auf Sand oder Kies ankern. Vor allem an Wochenenden fahren Umweltaktivisten mit ihren Schlauchbooten zu den Ankerbuchten und kontrollieren diese. Mittels eines Vergrösserungs – Trichters zum Lokalisieren von Kette und Anker, werden Segler informiert und belehrt gegebenenfalls den Anker aufzunehmen, oder die Bucht zu verlassen, bei unstetem Wind und enger Liegeposition kann das durchaus ein anstrengender Prozess sein.
So wies uns eine Aktivistin einen anderen Ankerplatz zu, den sie nach Windshift gleich wieder verbot, allerdings hatten wir eine Felsspalte erwischt und ordentlich Mühe den Anker zu lichten.


Nach dem Abreisen unserer Freunde sind wir die felsig hohe Südseite abgefahren, Mallorca zeigt sich dort dürftig besiedelt, teils bewaldet .Eine schroffe Felsenlandschaft mit tief eingeschnittenen Calas, die mehr an Norwegen erinnern als an eine Mittelmeerinsel. Wir stoppten im Puerto de Soller, fuhren mit der historischen Schmalspurbahn nach Soller, die Ruckelfahrt ist emfehlenswert.


Menorca :

Menorca ist zwar kleiner und deutlich flacher als Mallorca , aber ,“ klein und fein“ trifft zu. Da häufige Wind- und Wetterwechsel das Planen der abendlichen Ankerbucht forderten , hatten wir doch nie Not eine solche zu finden, an der Südseite der Insel genauso, wie an Nord – und Ostseite. Bei Mahon lagen wir sowohl in der tiefen Cala Teulera, als auch vor dem Hafen von Mahon. Auch diese Stadt ist einen Besuch wert, wir warteten parallel ein geeignetes Wetterfenster ab um nach Sardinien zu segeln.

Danke Balearen : für traumhaftes Wetter und trotz Schwüle kaum Gewitter
für sauberes, glasklares Salzwasser
für beeindruckende Felsenkulissen und Ursprünglichkeit
für deutlich geringere Kosten als vermutetet durch die Ankeroptionen
und Danke an ein Hotel in Santa Ponca für ein kostenloses Konzert von Freddy Mercury Hits, das zu unserem Ankerplatz getragen wurde.

Nachtfahrt vom 04.-05.September 21

Morgens, zu Sonnenaufgang, streicht die Wärme wie eine träge Katze um die Beine
die Aussicht auf die lange Fahrt stimmt mich beschwingt, neugierig, angespannt -
Viel Meer zwischen Menorca und Sardinien.
Der Tag ist sonnig , die Zeit vergeht unaufgeregt, bis plötzlich Hans ruft : Schau eine Schildkröte !
Nur mit spärlichen Bewegungen gondelt sie im Wasser - ein kleiner brauner Diskus
sie taucht flink ab, drei Bilder hat sie mir erlaubt.
Der Abend kommt - die Sonne duckt sich und hinterlässt einen orangerot bemalten Wolkenberg.
Der Moment, wenn die Schwärze der Nacht dominiert, das Rauschen der Wellen deutlicher hervortritt und der Mond noch lange zögert ist fremd - unheimlich.
Vertrauen steht an der Schwelle und will eingelassen werden.
Das Sternenzelt spannt sich auf - war doch immer da - mir wird klar wie gegrenzt mein Blick ist.
Unter uns mehr als 2500 Meter Wassertiefe - über uns Unendlichkeit.
Kurz leuchten im Kielwasser fluoreszierende Quallen auf - welche Lebewesen sind dort noch?
Dann kommt die Müdigkeit, bleiern, schwer, kann auch sie nur mit Vertrauen schlafen gehen.
Ich schlafe draußen in lauer Luft.
Hans steuert uns durch die Nacht.
Wachwechsel um fünf Uhr.
Am Horizont hellt sich der Tag ganz langsam auf, die Sterne entziehen sich wieder meinem Blick
Morgenröte
intensiviert sich
eine leuchtend rote Sonne erscheint unmittelbar unter der schmalen Sichel des Mondes und auch er verblasst.
Guten Morgen

03 Sep 2021

Am Grenzfluss Rio Guadiana

Der Portugal und Spanien verbindende Fluss wird für mich immer ein besonderes Naturerlebnis bedeuten. An seiner Mündung, zwischen Vila Real de Santo Antonio (Portugal) und Ayamonte ( Spanien) führt er vom Atlantik in gemütlichen Flussbiegungung ins nördliche Hinterland der iberischen Halbinsel. Zuerst wirkt er breit, führt salzhaltiges Wasser, das Ufer sieht bei Ebbe eher nach Elbe oder Stör aus, als typisch südländisch. Wenn man den Nervenkitzel der Durchfahrt unter der Autobahnbrücke der A 49 geschafft hat, (es wird gemahnt bei Ebbe hindurch zu fahren, dann sind mindestens 20 Meter Freiraum garantiert), steigen die Hügel der beiden Grenzländer zunehmend an. Zunächst noch spärlich bewachsen, werden die Mandel- und Olivenanpflanzungen dichter,  Schilf wechselt zu meterhohem Bambus und die Flusswasserfarbe tendiert ins undurchsichtig braune, er führt Süsswasser, in dem sich auch, an der Badeleiter festgehalten, vorzüglich baden lässt. Die Besiedelung ist sehr spärlich, viele Gehöfte stehen nur noch als lichte Ruinen an den Hängen.

Angrenzende Ortschaften auf der portugiesischen Seite sind: Foz de Odeleite ( Mund der Freude) mit Stausee, Montinho das Laranjeiras ( Hügel der Orangenbäume) mit grossem Bikercafe und sehr einfacher Gaststätte. Schon ab Laranjeiras ankern vermehrt Segelboote im Fluss, viele den ganzen Winter über, manche mit Lifeaboards aus England, Holland, Deutschland. Während die Ränder von Portugal und Spanien zwischen immer höheren Flussufern zusammenrücken, nähert man sich einer malerischen Kulisse zweier in die Hänge geschmiegten Städtchen, Alcoutim (port.) und Sanlucar de Guadiana (span.). Alte Festungen, Burganlagen, Ölmühlen, sind durch malerische und gut befestigte Wanderwege zu erklimmen, es ergeben sich reizvolle, immer wieder neue Ausblicke auf die Flusswindungen und die darin ankernden Schiffe.

Wir haben uns am Ende unseres Aufenthaltes im Fluss noch einmal Pomerao angesehen, die Stege dort sind so rudimentär befestigt und spärlich, dass wir Glück hatten einen Platz zu ergattern. An der spanischen Seite gibt es zahlreiche stillgelegte Eisenbahntunnel und eine grosse gemauerte Erz Verladestation, die imposant den Fluss überragt. In Pomerao verbindet der kleine Rio Chanza den Stausee Barranco dos Azeite mit dem Guadiana. Im Ort geht es gleich sehr steil den Berg hinauf zu alten Arbeitersiedlungshäusern die zerfallen. Durch die Pandemie bedingt waren alle Cafes und das Restaurant geschlossen. Der Rio Guadiana ist bis Mertola schiffbar, da wir aber von Felsen wussten, die im dunklen Flusswasser kaum auszumachen sind, haben wir uns diese, bestimmt auch interessante Wegstrecke erspart.

Da außer etwas Viehzucht ( Schafe, Ziegen, Geflügel) und Landwirtschaft wenig Verdienstmöglichkeiten direkt an den Flussufern möglich sind, wirkt diese Landschaft weitestgehend aus der Zeit gefallen ,“vergessen“, natürlich, unverstellt, zeitweise gibt es keine Mobilfunkverbindung, es tauchen keine Autos auf, wir hören Vogelgezwitscher, Eselschreie, Hundegebell, asynchrones Glockengeläut, das sich auch nicht an die normale Uhrzeit hält, aber zum Ambiente passt. Vermutlich ist durch die Lockdowns in 20/21 und den entgangenen Tourismus die Abgeschiedenheit verstärkt worden. Auch die Dörfer wirken leer, vereinsamt, überaltert.

Als wir am 01.05.21 den Rio Guadiana hinaufgefahren sind, hatten wir, außer dem Interesse ihn kennenzulernen auch ein Ziel, wir wollten zwei Segler und Auswanderer auf Zeit kennenlernen, Alex und Ursula, die sich ein Grundstück auf der spanischen Flussseite gekauft haben und in den Anfängen vieler Veränderungen steckten. Beim ersten Besuch wurden wir freudig begrüsst, herum geführt, zum Essen eingeladen. Von einer Minute auf die nächste waren wir nach dem Begeisterung auslösenden Rundgang und unserer gezeigten Motivation „mitzumischen“ ins frische Gartenprojekt integriert. Wir lernten im gemeinsamen Tun Dörte und Jens kennen, und meist zu sechst, oder zu siebt schafften wir in 5 Tagen erstaunlichen Fortschritt im Abholzen von Kakteen und Yuccapalmen, Baumrückschnitt, Abtransport bereits geschnittenen Schilfs usw. Es wurden Maschinen gewartet oder repariert, Erde zum Bepflanzen vorbereitet. Am Nachmittag gab es für alle ein von Ursula zubereitetes schmackhaftes Mittagessen, die entspannte Pause nutzten alle zum Austausch und zum vertieften Kennenlernen. Am Ende der Woche fuhren die Männer gemeinsam in den Baumarkt, wir Frauen gestalteten einen Wohlfühltag mit Qigong und Yoga, Essen und Gespräch für uns.

Mittlerweile läuft die Wasserversorgung des Grundstücks über Solarpumpe und Ursula hat die leichten Metalldrahtzäune mit Bambusstöcken (gegen die Wildschweine) verstärkt, viele Samen gesät und Paprika, wie Tomatenpflanzen wachsen sichtlich gut.

Diese intensive und gemeinschaftliche Woche wird Hans und mir intensiv im Gedächtnis bleiben, wir behalten das Projekt von Ursula und Alex im Blick.

Weitere Highlights im Rio Guardiana waren: der Besuch von Hans Vater Norbert von Mitte Mai bis 10. Juni 21. Endlich ein vertrauter Besuch von zu Hause! Gemeinsames Essen, Canastaspiele und Gespräche waren jetzt vorrangig. In der letzten Guadiana-Woche kamen viele uns aus der Winterpause von Alvor bekannte Segler in den Fluss : Kurt und Silke, Jan, Matthias und Luisa. Schön, sie alle wiedergesehen und den Kontakt erneuert zu haben.

Bei allen Aktivitäten, Anforderungen hat mir die Natur des Guadiana geholfen mich zu erden, Momente des Rückzugs und der Stille, eingebettet in diese unverfälschte Natur zu erleben. Das Erkunden neuer Wanderwege, die Fotosessions in der Natur und die ruhige Präsenz alter Bäume in diesem Gebiet waren nährend, klärend, heilsam. Ich danke Dir dafür Rio !

Spruch des Tages:

The world is full of magic things, patiently waiting for our senses to grow sharper.
(W.B. Yeats)

03 Jun 2021

Winter einmal anders

Tatsächlich wirkt er : „the clue of Alvor“, der Klebstoff, der schon manche Segler hier für längere Zeit als ursprünglich geplant festgehalten hat. Er setzt sich zusammen aus idyllischer Ruhe in Ankerbucht und Bojenfeld, gut ausgebauten Spazierwegen am Flussufer oder zum Strand, dem milden Klima, das die Wintermonate an Bord erträglich machte und der entstandenen Bezogenheit der Ankerlieger untereinander ( die das Beste aus den Ausgangsbeschränkungen machten).

Die Monate November bis März sind erstaunlich schnell verflogen, sie waren gefüllt mit dem Erforschen der Umgebung, der Organisation des Alltags, dem gegenseitigen Unterstützen beim Reparieren und Einkaufen der Materialien, regelmässigen Spaziergängen und gegenseitigen Einladungen mit der deutschen Community, sowie ein paar netten Seglern verschiedener Nationalität.

Ich denke gerne an Kurt, Rheinhard, Luisa und Matthias, David, Jan, Tommy, Britt-Luise und Ralf, sowie Ann-Britt, die bereits nach Schweden zurückgekehrt ist, Stefanie und Brian – die Nationalitäten neben uns Norddeutschen sind England, Schweden und USA.

Der Lock-Down, bzw. Ausnahmezustand gab uns die Chance sich nicht nur oberflächlich kennenzulernen, sondern in persönlichen Gesprächen Erlebnisse, Gedanken und Einsichten auszutauschen.

Da dies immer respektvoll, freundlich und offen geschah, bin ich dankbar und werde Alvor mit diesen wertvollen Begegnungen verbinden.

Der Kontrast zwischen der Seemeilen fressenden Anreise, dem Wechsel und dem Bleiben vor Ort war enorm und kam erst nach und nach innerlich an.

In der Adventszeit, mit dem Bedürfnis nach Entschleunigung, Plätzchenduft und Innehalten nach diesem ereignisreichen Jahr sorgte die Ruhe der Bucht, der ausgebremste Tourismus und die stillen Nächte definitiv für’s Ankommen.

Es war schmerzlich, keinen Besuch nach Deutschland wagen zu können, auch, dass niemand „vorbei fliegen“ konnte, wollte verarbeitet werden. Es war das erste Weihnachten ohne unseren Sohn Leon. Und doch, Internet sei Dank gab es mit unseren Lieben Austausch und Verbindung. Und in vielen Momenten am menschenleeren Strand knüpfte ich Gedankenverbindungen.

Überall stand auf Hinweisschildern: Fiquem a casa – stay at home . Die Zuwege zum Strand durch Bänder abgesperrt, die sonst belebten Gassen menschenleer.

Aber wie könnte Corona-Prophylaxe besser geschehen als durch Spaziergänge in salzhaltiger Luft und Meerwasserbad? Ann-Britt sei Dank, die mich dazu motivierte und die vorhandenen 16 Grad Wassertemperatur gemessen an schwedischen Bade – Gewohnheiten belächelte.

Meine Zeitstruktur beinhaltete auch kleine Basteleien, die gesammelten schimmernden Perlmuttmuschelstücke wurden zu Ketten verarbeitet, viele Sprüche, die ich bemerkenswert und erbaulich finde fanden in Schrift oder mit Malerei versehen in Venusmuscheln neue Heimat.

Ich habe spannende Online- Summits erforscht und hatte, durch unseren stabilen Internetzugang auch die Chance online Yoga bei Susanne aus Itzehoe mitzumachen. Hans pflegte seine Verbindung zum Computerclub Itzehoe online.

Ein marokkanisches Kochbuch lieferte genügend leckere Rezepte zum Ausprobieren und die portugiesische Liebe zum süßen Backwerk hat mich mit Karotten-Schokoladenkuchen und Quitten-Apfelkuchen herausgefordert.

Der Sonntag-Nachmittags-Kaffeetisch zu dem wir seit dem ersten Advent einladen, hat schon Tradition und oben genannte Kuchen, sowie Müsli-Plätzchen und herzhafte Gemüserollen stellten die lukullische Grundlage für einen näher bringenden Austausch.

Im Kontakt zu der portugiesischen Bevölkerung ist mir folgendes aufgefallen:

Sie pflegen eine deutlich entspanntere Lebensart als wir, vor allem an der Kasse von Geschäften geht man gelassen und deutlich bezogener auf die Kundenwünsche ein.

Das Wort : Danke ( die Frau sagt obrigada, der Mann obrigado) wird um so vieles mehr benutzt, und schafft eine freundliche, wohlwollende Atmosphäre.

Und auch der Gruß : Guten Tag ( je nach Tageszeit: Bom dia , Boa tarde, Boa noite) wird immer bei Blickkontakt untereinander ausgesprochen.

Seit Anfang November habe ich mit Duolingo kostenlos Portugiesisch gelernt, was mich nur anteilig weiterbringt, da viele Laute beim Aussprechen verschluckt werden. Aber ich verstehe jetzt besser das geschriebene Wort. Jeder Verständigungsversuch auf portugiesisch wurde honoriert oder freundlich korrigiert.

Spruch zum Schluss:

It’s in the shelter of one another, that we find shelter.
Aus einem Onlineseminar.

12 Mrz 2021

In der Bucht von Alvor angekommen

Hallo liebe LeserInnen, wir sind seit 31.10.20 in unserer ersten Überwinterungsbucht Alvor/ Algarve angekommen.
Zum Ankerplatz führt eine flache Lagune, die bei Ebbe deutlich schrumpft und den Fischern und Alvorern die Möglichkeit der Muschelanzucht und der Muschelernte gibt. Der angrenzende Fluss führt zu seichten Plätzen mit Inseln auf denen Flamingos leben.

An klaren Tagen schweben in ca. 2 Kilometer Entfernung Fallschirmspringer sacht zur Erde. In der Bucht liegen vor allem englische, französische , holländische und deutsche Yachten und Katamarane. Die portugiesischen Fischer, die jede Nacht ausschwärmen und morgens zurückkehren können sich beim Ankern in deren Fahrwasser lauthals beschweren, oder sie fahren so nah an den Booten vorbei, dass man freiwillig einen entfernteren Platz sucht – gegenseitiger Respekt ist wichtig 😉
In unmittelbarer Nähe zum Städtchen, das zwischen Lagos und Portimao liegt, gibt es Holzwege zum Strand, der ca 4 Kilometer lang und ca. 500 Meter breit ist. Er wird jeden Tag gesäubert und ist im Monat November nur spärlich besucht, ein paar Sonnenanbeter, Badende und Spaziergänger gibt es aber immer.

Obwohl das Meer so nah ist, schützt die Düne uns vor Schwell und bislang gab es selten Wind.

So liegen wir hier geschützt, eingebettet in eine schöne Landschaft mit gelegentlichem Chesna- Überflug und vorbeiziehenden Booten und Stand-up-Paddlern.

Da auch in Portimao Covid 19 bedingt ein Teil-Shutdown ausgerufen wurde, bleiben wir, bis Mitte Januar hier, so viel Ruhe und Normalität wird es eventuell nicht überall geben.
In Alvor, mag sein an der Algarve insgesamt, scheinen verschiedene Altersgruppen zu überwintern: junge Paare mit noch nicht schulreifen Kindern – Studenten – Menschen ab ca. Mitte 50, die den festen Job aufgegeben haben um eine Weile durch die Welt zu reisen – und Rentner, die entweder in einer Ferienwohnung, oder auf ihrem Segelboot ihren Lebensabend verbringen wollen.
Viele Segler sind Individualisten, spannende Charaktere, viele Menschen mit hohem technischen Verständnis für ihr Boot und alle seine Erfordernisse, und den meisten ist eine freundlich – aufgeschlossene Lebensart gemeinsam, nach dem Motto: „Leben und leben lassen“.
Wie verbringen wir nun unsere Zeit hier?
Zuerst wanderten wir viel, zum Meer, zu den Flamingos, machten eine Fahrradtour den Fluss entlang. Wir erkundeten Portimao um eine Internetflat zu organisieren, und Alvor um unsere Lebensmittel einzukaufen.
Dann gab es ein paar Tage, an denen ich haderte, ob ich vom Reisemodus in den Bleibemodus wechseln könne, oder Unzufriedenheit nähren wollte.
Und dann geschah ein seltsames Ereignis, das jeden in unserer Nähe irritierte: ein grosser Katamaran an einer Mooringtonne hatte sich in der Nacht verselbstständigt und lag morgens bei Ebbe am Strand, jeder dachte, dass er verlegt worden sei. Als wir realisierten, dass das große Schiff sich ohne andere zu touchieren einen neuen Parkplatz gesucht hatte, waren die deutschen Segler recht schnell verlinkt, der Eigner wurde angerufen, die hiesigen Segler vertäuten das Boot erst einmal sicher vor der nächsten Flut. Als der Eigner aus Deutschland eintraf, lud er alle Helfer zum Umtrunk ein und man koordinierte die vereinte Abschleppaktion und einen neuen Ankerplatz. Und so lernten wir: Matthias und Luisa, Kurt, Rheinhard, Tom und David kennen, manche sind hier schon lange, andere wie wir auf der langsamen Durchreise.
Darüber habe ich erneut gemerkt, wie wichtig mir auch nähere Kontakte sind, eine Einladung zum Tee, zum Helfen, ein Gespräch an der Pier, oder ein netter gemeinsamer Abend sind und bleiben Gold wert.
Seit wir die stabile Internetleitung haben, ist es auch leichter unsere Hobbies auszuführen. Hans nimmt wieder am Computerclub-Onlinetreffen teil, ich habe wieder einen „Yoga-Morgen“, via „ZOOM“ aus Itzehoe.
Da wir deutlich weniger Elektrogeräte an Bord haben benötigt auch Kochen, Backen, Spülen, die Wäsche entsprechend Zeit ( der Einbau der Waschmaschine war eine super! Idee). Unseren Lebensmitteleinkauf erledigen wir meist zu zweit, in 15 Minuten Entfernung liegt ein großes Geschäft.
Und: über die kostenlose duolingo App lerne ich gerade Portugiesisch, allerdings ist die Ausgangssprache Englisch, no problem.
Schwierig finde ich die Verschriftlichung der gehörten Sätze, werden doch viele Laute „verschluckt“ oder anders ausgesprochen als geschrieben.
Aber es macht Spaß und ich habe noch etliche Wochen Lernzeit hier, also keinen Stress.

 

Gedanken zum Schluss:
Die Sehnsucht nach Bedeutung und innerer Ruhe ist das,
was wir in diesem Leben miteinander teilen.
(Kalenderspruch ohne Quellenangabe)

22 Nov 2020

Ist das Kunst, oder kann das weg ?

Hallo liebe LeserInnen, bom dia, boa tarde, boa noite – je nachdem ob Du am Morgen, Nachmittag oder Abend diese Zeilen liest.
Heute beschreibe ich meine Gedanken, meine Begegnung und Anregungen zum Thema:

“ Ist das Kunst, oder kann das weg ?“
Diese Frage wurde einer Putzfrau, die künstlerische Installationen beschädigte zugeschrieben und auch  Joseph Beuys´ Installationen wurden mehrfach Opfer von Aufräumaktionen. Dies zeugt aber vom tatsächlich sehr unterschiedlichen Empfinden und Bewerten künstlerischen Ausdrucks eines Anderen. Ich habe in vielen Bildern, Tonskulpturen, Tanzsequenzen Ästhetik, Kunst, eigenständigen Ausdruck und Talent entdecken können, während der/die Gestaltende davon selbst nicht unbedingt überzeugt war. Ich war in Kunstateliers, kunsthandwerklichen Ausstellungen, Symposien, war oft begeistert und manchmal enttäuschten mich die gezeigten Exponate.

Manchmal arrangiert die Natur spannende Bildcollagen, Muschelansammlungen am Strand, Vogelfedern in Bäumen oder Strandgut, das wie hindrapiert wirkt und in der nächsten Flut verschwindet. Ist das Kunst ? Zufall? Da so vergänglich nicht der Rede wert? Was ist mit den tibetischen Sandmandalas, in langen meditativen und äußerst konzentrierten Arbeitsstunden gestaltet und in einem rituellen Wischen zerstört? (So wie der Künstler Lee Ming Wei, der in seiner Berliner Ausstellung: „Geschenke & Rituale“ die  Guernika von Picasso in Sand gestaltet hat und von mehreren Freiwilligen zu mamorierten Sandschlieren zusammenfegen ließ).

In alten Städten wie Muros, Porto und Lisboa ist der Mix aus historisch, alt, verfallen, durch Graffity oder natürlichen Bewuchs verändert – für das Auge eines Fotografen oder Betrachters spannend und bietet viel visuellen Anreiz. Mal wirkt das Gesamtbild künstlerisch, mal nur ein Detail.

Ich wollte z.B. ein frisch eingesätes Beet fotografieren, in dem dicht an dicht Tauben pickten, (das Ganze wirkte auf friedlichem Wege zerstörerisch, wahrscheinlich war der Gartenbesitzer nur kurz zum Essen), aber mein Kopf über der Einfriedung brachte alle Vögel sofort zum Auffliegen,(als wären sie sich ihres Frefels bewusst).Wie gerne hätte ich die Vogelschar während ihres Fressens, Aufblickens, Wegfliegens fotografiert.

Manchmal geben auch die Menschen durch ihre Anwesenheit einer Szene einen besonderen Anstrich: Sei es, dass ein Paar sich in Gegenlicht vor der Brücke Lisboas küsst, aber der befreundete Fotograf, der auf einem Bein auf einem Stein balanciert ist die lustige Figur, die jeden Vorbeigehenden amüsiert.

In einer Ausstellung zeitgenössischer Spanischer Fotografie in Santander waren die ausgestellten Portraits faszinierend, viele Fotografien waren aus den 60iger Jahren, die Blicke offen und ungestellt, nicht immer zwanghaft lächelnd sondern vielleicht auch irritiert, spöttisch, verächtlich, abwehrend. Unverstellter Gefühlsausdruck, der uns in dauernder Selfiemanie verloren zu gehen scheint. Und die Kunstausstellungsbesucher strichen handdesinfiziert und zahlerlesen vorsichtig mundmaskiert umeinander herum, auch wir: eine seltsam anmutende Spezies…

Dann die Naturbilder, das sich stetig verändernde Meer, die Luftbilder der Wolken – da jagt ein Hund einen fliegenden Drachen, dort schwebt ein Engel… und wahrscheinlich ist, je nach mentaler und emotionaler Stimmung des Betrachters, die Interpretation unterschiedlich.
Die Lichtstimmungen des Sonnenuntergangs – für Sonnenaufgänge bin ich als Langschläfer nicht geschaffen – hier geht die Sonne so rasant unter, dass innerhalb weniger Minuten das Orange / Rot/ Lila sich schnell intensivieren kann, kurz bevor alles ins Dunkel kippt.
Vor Lagos gibt es eine durch Auswaschung entstandene Felsenlandschaft, Hallen – Sandschlösser – die mit kleinen Booten befahren und bestaunt werden können. (Ponta da Pidade).

Elefant in der Wand

Viele Felsformationen der französischen Bretagne und der spanischen Nordküste gemahnten mich an liegende Riesen, alte Echsen, Schildkrötenmäuler, und kaum ein paar Minuten später, war diese Synthese von Standort, Lichteinfall und Assoziation weg, Illusion. Hans würde sagen: „konstruierte Wirklichkeit“.
Die Welt entsteht in unserem Kopf, mittels unserer Interpretation.
Dann entsteht auch Kunst in unserem Kopf, springt dem Einen ins Auge, während der Andere – dafür blind – vorüber läuft, etwas gänzlich Anderes als künstlerischen Ausdruck gelten lassen will.

Anregung zum Schluß:
Wie wäre es, wenn Du mir Deine „Kunst“ zeigst und ich Dir Meine   – sich jeder öffnete für eine neue Sicht?

22 Nov 2020

Was mich bislang das Leben auf dem Wasser lehrt

Hallo Ihr Alle zusammen, es wird Zeit einen weiteren Beitrag aus dem Kopf ins geschriebene Wort zu bringen.
Am 15.10.20 haben wir uns Cascais angesehen, die Ankerbucht zu Beginn des Rio Tejo ,der nach Lisboa/ Lissabon führt. Hier finden wir schon städtisches Flair, alte Villen die heute als Museen genutzt werden säumen das Ufer. Das auflaufende Wasser verbindet zwei Villen mit klarem Wasser, in dem immer noch Mitte Oktober Menschen schwimmen gehen. Nach Klettern im ufernahen Vulkangestein, das eine zerklüftete Landschaft mit kleinen Lagunen bildet, waren wir im Städtchen sagenhaft günstig einkaufen.
Ich mag die portugiesische Backkunst, die Natas, Vanillepudding gefüllte Blätterteig Körbchen, die zum Café com leite, (Milchkaffee) traumhaft schmecken, aber auch saftige Rührteigküchlein und Mandelgebäck könnten abhängig machen. Das alles für 5-8 Euro für zwei Personen, da lohnt sich täglicher Besuch. Aber das Ganze hat auch die Kehrseite, dass nach Einbrechen des Tourismus zur Zeit viele Geschäfte aufgegeben oder Angestellte entlassen werden, erzählte uns ein Kellner, der 15 Jahre in Köln gelebt hat und uns sofort als Deutsche identifizierte.Tatsächlich war in den Souvenierläden keine Kundschaft: glasierte Kacheln, gewebte Decken, Taschen – Schuhe – Geldbörsen aus Kork fanden keine Abnehmer.

 

Mein eigentliches Thema:“ Was das Segeln mich lehrt“ verbindet praktische Erfordernisse mit philosophischen Erkenntnissen …
Das Leben auf engem Raum bedeutet meist alltägliches Aufräumen des Lebensraums an Bord, nach dem Einkaufen, nach dem Essen, was zu Hause vielleicht länger liegen bleiben könnte, wird hier schnell lästig oder Stolperfalle oder Fliegen lockend. Draussen wird Aufklaren der Leinen und Segel verstauen nach jedem Segeltörn erforderlich, jeden Morgen nutzen wir das Tauwasser einmal trocknend über alle Flächen zu gehen.
Also : Ordnung nach Chaos, Struktur erhalten, auch wenns wiederholte Mühe macht.

Reparaturen am Boot, oder Ersatzteilbeschaffung sind dringlich und werden nicht verschoben, durchkreuzen manchmal die geplanten Aktivitäten.
Als wir plötzlich und unerwartet ein Fischernetz in der Steuerbordschraube „einfingen“, der Motor stehen blieb und das Freischneiden auf dem Meer nicht gefahrlos möglich war, mussten wir in den nächsten Hafen, ankerten, Hans tauchte zur Schraube und schnitt diese frei — unfreiwillige Unterbrechung der Reise, Aufregung und Unannehmlichkeiten sind um der Sicherheit willen in Kauf zu nehmen, groß ist die Entlastung hinterher, wenn alles wie gewohnt funktioniert.

Für längere Segelstrecken gilt: Durchhalten , auch wenns anstregend wird. Wie bei jedem Sport kann es zu Schwitzen, Herzklopfen, spontan geforderter Reaktionsfähigkeit und Muskeleinsatz kommen 😉

Beobachtende Aufmerksamkeit in Bezug auf Fischereizeichen – Entgegenkommer – Wetterveränderungen – Auftauchen von Delfinen – und das Absuchen der Wasserfläche nach Orcaflossen um die ganze Nordspanische Küstenlinie herum, Gott sei Dank hat sich diese Befürchtung nicht bestätigt.

In diesen Zeiten sind Kontakte in Häfen oder Städten recht reduziert, aber wenn sich neue Bekanntschaften ergeben, wie zur französichen Besatzung der O´Alen, oder zur Besatzung der niederländischen Zilveren Maan: die Begegnungen sind offen und zugewandt, freundlich, neugierig und grosszügig in Bezug auf Bewirtung, gegenseitigem Austausch nützlicher Tips und wohlwollend.
Und ich stelle am nächsten Tag noch fest, wie emotional sättigend diese Begegnungen sind, so dass ich lange innerlich davon zehren kann.

 

Meine persönlichen Herausforderungen sind: Geduld !!! meinem Partner und unerwarteten Pannen oder Veränderungen gegenüber – obwohl schon interessante Entwicklungen resultierten. Als sinnvoll hat sich z. B. bei Landgängen herausgestellt, dass bei unterschiedlicher Interessenlage getrennte Aktivitäten die eigene Batterie wieder aufladen und wir uns abends verschiedene Erlebnisse erzählen können. Was vor Monaten noch selbstverständlich war, nämlich der eigene Freiraum, wird manchmal auf dieser Reise zu zweit diskussions – und umsetzungswürdig. Und zwar für uns Beide gleichermaßen.

Spruch des Tages ( vom Yogiteeschildchen)

Wirst Du ein Teil des Ganzen – Wird Alles ein Teil von Dir

20 Okt 2020

Freizeitideen auf dem Wasser

Hallo an alle LeserInnen – ich sende einen herzlichen Gruß vom Ria de Ribadeo. Direkt vor der mächtigen Stahlbetonbrücke die ihn überspannt, liegt die kleine Marina, in der wir für 5 Tage Rast machen. Um uns herum viele Motorboote, meist klein und zum Angeln im Fluss oder an der vorgelagerten Felsenküste ausgelegt.
Ribadeo hat ein paar historische Bauten, eine malerische Holzbrücke, die der Eisenerzverschiffung diente und heute als Aussichtsplattform fungiert. Der Jakobsweg ist durch zahlreiche Tafeln und Hinweise gekennzeichnet

und vereinzelt haben wir Wanderrucksack-Beladene gesehen, aber wie auch in Pasaia ist die hiesige Unterkunft geschlossen.
Anders als in Deutschland müssen hier Gesichtsmasken nonstop getragen werden, Abstandsregeln gelten und überall stehen Desinfektionsmittelflaschen vor Restaurants,in Geschäften, seit dem Schulstart sehen wir auch Kinder, die die Masken permanent tragen. Da die meisten Restaurants Tische im Freien haben, bevorzugen viele Gäste diese, denn dann dürfen die Masken abgenommen werden. In Ribadesella fuhr die Polizei kontinuierlich Streife um die Maskenpflicht zu überwachen, Verstösse werden mit 200,- € geahndet. Einzig beim Sport darf die Maske abgenommen werden, gut sichtbar am Arm drapiert. Meinem Eindruck nach wird präventiv Alles getan, um beim nahenden Herbst und steigenden Grippeinfektionen eine weitere Covid 19 Katastrophe zu verhindern. In den Häfen wird uns beim Einchecken ein deutlicher touristischer Einbruch beschrieben, auch die Spanier machten mehr Urlaub im eigenen Land – deutsche Segelboote sehen wir kaum noch (allerdings endet auch die Saison…).

Eine Beobachtung möchte ich mitteilen: Auf der Strandpromenade und direkt am Strandsaum ist der morgendlich flotte Spaziergang oder das Joggen usus, allein oder zu zweit geht es stramm darum die Bucht zu umrunden. Das Alter spielt dabei keine Rolle, der Strand hat dadurch eine ganz andere Dynamik als die „Liegewiese“ wie ich sie sonst kenne. Und natürlich sind an Wochenenden auch Rennradgruppen unterwegs, mag die Landschaft noch so gebirgig sein.
Das bringt mich auf die Idee Aktivitäten auf dem Wasser zu beschreiben, die ich vor allem beim Ankern, aber auch im Hafen beobachten konnte.
In Frankreich waren es die Segelschulen, beginnend mit den Ausfahrten der 3-6 jährigen, die wie Entchen hinterher gezogen wurden, fortgesetzt mit den Optimisten verschiedener Altersklassen und den Hobycats. Begeisterte Kinder, die hintereinander vertäut fröhlich rufend aus dem Hafen geschleppt werden und je nach Wind kehren sie erschöpft mit heißen Gesichtern wieder. Surfschulen sind sowohl in Frankreich als auch Spanien zu beobachten, die Surfer, die besonders geschickt sind haben bereits Foils, die sie vom Wasser abheben und widerstandslos gleiten lassen. An der rauhen Küste vor Ijmeuiden zeigten Kitesurfer erstaunliche Kapriolen, während mir beim Beobachten das Gesicht sandgestrahlt wurde. In den Brandungswellen von Ribadesella tummelten sich Wellenreiter mit ihren Boards, unermüdlich die optimale Surfwelle suchend.
Sehr regen Zulauf erhält auf jeden Fall das Standup – Paddeln, die Boards kurz SUP genannt- Manche besitzen sie bereits, die Meisten leihen sie aus. Auf holländischen Grachten, in Häfen, zwischen ankernden Booten, als Kinderfreizeit, Familienevent und just for fun. Zunächst wird im Wesentlichen Auf- und Absteigen geübt. Beim Wettrennen fahren oder zu zweit auf einem Board entstehen kuriose Situationen. Selten habe ich so viel Lachen und gute Laune auf dem Wasser beobachtet, wie in der Bucht von San Sebastian, wenn eine Gruppe von 10 Menschen auf einem Riesenbrett paddelnd die höchste Flutwelle erreicht, alle aufstehen und schreiend die Welle surfen um danach ins Wasser zu springen. Alle trugen wie beim Rafting Schwimmweste und Helm – es waren hauptsächlich Männer abenteuersuchend und leidensbereit.
Und die Ruderer in Vierer-, Achter-, und Zwölfergruppen, die in reinen Männer- oder Frauengruppen unermüdlich in Pasaia und San Sebastian für ein traditionelles Rennen trainierten, das ursprünglich im Walfang begründet liegt, ( die Männer mussten nach der Harpunierung zum Wal hinausrudern und ihn bis zu seiner Erschöpfung verfolgen). In der Woche vorher regnete es oft ausgiebig und wir beobachteten von unserem „Wohnzimmer“ aus die klitschnassen jungen Männer und Frauen, die ihre zwei stündigen Trainingseinheit deswegen nicht ausfallen ließen.
Dann die vielen Schwimmer: hauptsächlich kraulend durchpflügen sie die Buchten, sich kennzeichnend mit Ballons in neopink oder -rot, aber auch etliche Paare oder FreundInnen, die miteinander ins Gespräch vertieft in aller Ruhe ihre Strecke schwimmen.
Technikfreaks stehen auf die teure Leihmöglichkeit von Wassermopeds. Laut, hohe Wasser- Fontänen sprühend und mit Fahrern, die gierig darauf warten, nach der Hafenausfahrt aufdrehen zu können, was das Zeug hält. In Les Sables D`Olonne war ich nach 3 Tagen in deren „Einfuhrschneise“ Gegner dieser Fortbewegungsart, weil sie durch ihren Lärmpegel zu viele andere Mitmenschen beeinträchtigt.

Wasserski und das Nachziehen von runden Plattformen, auf denen sich bis zu vier Menschen bäuchlings festhalten, gehören auch zu diesem Benzin vernichtenden
Freizeitsport, aber ich hatte beim Zusehen Spass und die johlenden Menschen wohl auch, will ich mal gnädig sein 😉

Seit ca. 20. September ist es in Asturien merklich kühler und regnerischer geworden, die Badesaison endet.
Ich verabschiede mich von Euch mit folgendem Zitat (unbekannter Autor) – da er aufs Wesentliche hinweist…

Ein Schwimmtrainer tröstend am Ende der Saison:
“ Unsere Mannschaft hat zwar nirgends gewonnen,
aber es ist auch keiner ertrunken.“

27 Sep 2020

Wie Wattwürmer Freundschaft stiften

Hallo liebe LeserInnen, nach einer vollen Woche in Pasajes/ Pasaia und der Bucht von San Sebastian melde ich mich zurück.

Die Einfahrt nach Pasajes war durch lange Dünung und einsetzenden Regen kniffelig. Die Seekarte zeigte die Schlucht deutlich auf, aber sie war aufgrund der dunklen Felsen und Witterung kaum zu sehen. So fühlte es sich spannend und aufregend an, als wir endlich die Bergseiten unterscheiden konnten und die Furt sich öffnete, ein dahinterliegendes Becken zeigte.

 (Ein paar Tage später wurde uns beim Spaziergang klar, welch große Schiffe per Lotsen und Bugsier hindurch passen …).


Im kleinen Sportboothafen festgemacht, ging es auf Erkundungsspaziergang, den Hans alleine fortsetzte, da mir das Wetter zu ungemütlich wurde. Es sollte das ganze Wochenende stark regnen.

Hans kam fröhlich wieder und erzählte von einer gefundenen Wattwurm gefüllten Dose, die er am Ufer stehenden Anglern überreicht habe. Dies führte zum Austausch, der beim Serveso = Bier in der Kneipe fortgesetzt wurde. Als sich Hans verabschiedete lud einer der Männer, Aurelio, Hans inklusive Frau zum Abendessen ein. Etwas überrascht , aber auch neugierig sagte ich zu, und im einstündigen Fußmarsch am Flussufer entlang, der Pasajes und San Sebastian trennt, wurden wir ordentlich nass geregnet. Um Aurelios Zuhause zu erfragen mussten wir aufgrund dieser nahen Ortschaftsgrenze noch einige Passanten fragen und verwirren, bis endlich eine Baskin mittels Hans Handy bei Aurelio anrief, der uns entgegen gelaufen kam. Wir wurden in einen verwinkelten Garten mit Laube gebeten, lernten seine Frau Ana und ihre 6 jährige Tochter Nadia kennen. Das Abendessen war opulent und schmackhaft, die Gastfreundschaft herzlich und es wurde ein fröhlicher Abend, der mit dem Service endete, dass wir per Auto zurück gebracht wurden, während ein heftiges Gewitter den Himmel erhellte.
Es folgten noch einige Verabredungen, wir zeigten bei Kaffee und Kuchen den Kat, am nächsten Tag startete die Ausfahrt in die Bucht von San Sebastian, für unsere Gäste das erste Mal segeln und eine neue Perspektive auf ihre Heimat. Beim anschließenden Ankern wurde wieder mit Hilfe eines Übersetzungsprogrammes zwischen Spanisch-Russisch und Deutsch hin und her erzählt, denn Aurelio und Ana sind vor 20 Jahren aus der Ukraine ausgewandert. Nadia war glücklich mit mir vom Kat aus ins Wasser zu hüpfen und auf dem Trampolin zu springen.
Der gestrige Abschiedstag war ein Fest, Ausflug in die Berge zu einer Winzerei, die Cidre herstellt; vier verschiedene Apfelsorten werden ohne Zuckerzugabe vergoren, es entsteht ein recht herber, frischer Cidre, der kaum moussiert. Wie dieser aus grosser Höhe in die Gläser abgefüllt wird ist eine lustige Angelegenheit, auch war es interessant die grossen Holzfässer zu besichtigen und zu üben, die Gläser in den dünnen Ausgussstrahl zu positionieren um sie zu befüllen.
Die Verabschiedung am Abend fiel uns allen schwer, ich glaube wir haben alle viel voneinander gelernt und unsere Gesellschaft genossen.

Meine Schwester Ulrike meinte:“ genau für diese Art von Verständigung und spontaner Freundschaft seid Ihr doch los gezogen“ und recht hat sie!

Spruch des Tages:
Wenn Du etwas festhalten willst, musst Du es für einen Augenblick loslassen.
Wenn Du etwas loslassen willst, musst Du es für einen Augenblick festhalten.

Laotse

04 Sep 2020

Essen an Bord -1-

Hallo liebe LeserInnen und Leser – ein herzliches Willkommen.

Während vor mir in La Rochelle ein hochdotiertes Hafenkino stattfindet, da wir direkt am Visitor-Steg liegen, macht das Schreiben umso mehr Spass. Hochdotiert deshalb,weil die funkelnagelneuen Katamarane der in La Rochelle ansässigen Fountaine Pajot-Werft hier fertig aufbereitet werden, von eingespielten Crews mal ausgefahren und von potentiellen Eignerpaaren besichtigt werden. Die Dimensionen sprengen so manches Größenverhältnis im Vorstellungsvermögen, und vielen Besuchern bleibt der Mund offen und wässrig stehen, allerdings:ohne größere Crew, Riesenstege und weite Rangierbecken im Hafen geht dann nichts mehr ….

Nun aber zum eigentlichen Thema, nämlich dem Essen an Bord.

Oft heisst es so schön: essen muss man ja überall und mancher Restaurantbesuch stellt vielleicht ein Highlight dar, macht mit unbekannten Geschmacks-und Zubereitungsweisen vertraut, oder geht als ein besonders stimmungsvoller Abend in die gemeinsame Geschichte ein.

Was ich gerne beschreiben möchte sind die Variablen, die ich nutze um aus saisionalen Produkten und einfachen Zutaten eine sommerlich leichte und abwechslungsreiche Kost zu kreieren.

Heute würde ich die wichtigsten Zutaten mit Kräutern und Gewürzen benennen, danach die gute Qualität von regionalen Gemüsen und Früchten des Marktes, frisch gefangenen ! unschlagbar! ( oder gekauften) Fisch bzw. Meeresfrüchte und bei uns nur noch selten: Fleisch.

Zu den Gewürzen: Ingwer, Knoblauch ( Zwiebel),Kreuzkümmel ,Kurkuma, Pfeffer werden in der letzten Zeit mehr mit Salzzitronen, Chili, Minze und Koriander ergänzt, die marokkanische Küche oder auch die indische hat mich dazu angeregt. Ganz wichtig auch mediterrane Kräuter, Petersilie, je frischer, je aromatischer.

Als Basis habe ich viele Jahre Nudeln und Reis mitgenommen, das ist auf Dauer viel zu eintönig: also kamen Quinoa, rote und braune Linsen, Polenta,Kichererbsen, Bohnen, Dinkelreis und Hafer sowie eine Getreidequetsche mit.

Auch Samen fürs Keimgerät sichern gehaltvolle Ergänzung zu Salaten oder als Brotbelag. Hülsenfrüchte werden durch längeres einweichen vor dem Kochen nicht nur verträglicher gestimmt, sondern auch in ihrer Nährstoffverfügbarkeit aktiviert.

Gute Öle finden sich nicht nur in Olivenöl,Rapsöl und Pflanzenfetten, sondern auch in Nüssen, die ich unter Salate, Müsli und Backwaren gebe.

Ach so, für die Süsse von Obstsalat, Nachspeisen oder Gebäck nutze ich neben unraffiniertem Zucker fast nur noch Trockenfrüchte wie Datteln Feigen, Rosinen, Cranberries oder frische Orangen.

Denn beim Segeln gilt: es soll nicht nur schmecken sondern nachhaltig sättigen.

Ich möchte hier nicht auf Lagerung und die normale Routine des Lebensmittelchecks eingehen, nur soviel: Rieseneinkäufe können schnell auch zusammen verderben, deshalb kaufen wir gezielt und mit dosierter Vielfalt ein, sanft behandelt wird alles so ruhig,kühl und dunkel wie möglich gelagert. Teils auch in Gefäßen wegen der Etylenausdünstung verschlossen.

Noch Rezepte?

Gratinierte Austern für zwei Personen ,( al Hans)

12 Austern öffnen und auslösen, in einer Hälfte belassen

aus Butter, Zitronenzesten, frisch gemachten Semmelbröseln, Salz und Pfeffer eine Paste herstellen, die als luftigen Deckel auf die Austern gelegt wird

im Ofen ca 5-10 Min. ,je nach Überbackungshitze des Ofens gratinieren.

Zucchini – Tomaten – Nuss – Mozarella Auflauf plus Baguette

Nüsse grob mahlen, alle anderen Zutaten in lange , schmale Scheiben schneiden

eine Auflaufform ausfetten, die Zucchinischeiben als Basis hineinlegen, salzen, pfeffern

eine grobe „Frace“ herstellen, aus Haselnüssen, oder Cashew, oder Walnuss oder Mischung plus Kapern (2 Eßl), schwarze oder grüne Oliven (ca, 100g) , etwas Olivenöl und Kräutern der Provence, Salz, Pfeffer …

Zwischen Zucchini- und Tomatenschichten wird diese Nussmasse aufgestrichen

Die letzte Schicht bildet der fein geschnittene Mozzarella

So lange bei 180 Grad im Ofen belassen, bis die Zucchini weich unter der Gabel nachgibt.

So, mit diesen kleinen Schmankerln verabschiede ich mich, ich schaue immer noch aufs mobile Leben zu Wasser vor mir und wurde schon mehrfach mit Nicken hinter meinem Laptop gewürdigt , GRINS, schriftstellerisch im Hafen tätig zu sein ist nice, auch weil ich nicht dauernd an meiner Bräune arbeiten kann 😉

Abgewandelter Spruch des Tages:

Wende Dein Gesicht der Sonne zu

dann fallen die Falten um Dich.

 

( Quatsch – Joke )

„Wende Dein Gesicht der Sonne zu,

dann fallen die Schatten hinter Dich“.

Inayat Khan

20 Aug 2020

Hafen versus Ankerplatz

Hallo Zusammen, aus dem umtriebigen Hafen von Les Sables d`Olonne, bei strahlend blauem Himmel und Sommerfeeling habe ich mir die Gegenüberstellung von Hafen-Übernachtung und Ankern vorgenommen.
Die meisten Nicht-Segler würden wahrscheinlich diese Frage kaum stellen, ist der Hafen doch assoziiert mit Windberuhigung, Sicherheit, Versorgung und Komfort. Auch der mögliche Kontakt zu anderen Seglern, die Nähe zu Lokalen, Geschäften, das Sightseeing in der Stadt locken in einen Hafen.
Nun ist es mit einem Katamaran meist wegen der Breite schwieriger kleine Häfen aufzusuchen, so dass meist eine moderne Marina, oder das Gegenteil davon,ein Fischereihafen angesteuert werden muss. Nachdem wir jetzt einige Nächte geankert haben, fällt mir vor allem nachteilig die Kakaphonie der Geräusche, die ständig vorbeiziehende Seglerschar und die mangelnde Ruhe bzw. die fehlenden Naturgeräusche auf. Und jetzt kommts: die Hafengebühren in Deutschland, Dänemark , Schweden sind sehr human im Vergleich zu größeren Häfen der Niederlande und Frankreich; wir haben schon läuten hören,dass es sich steigern wird.

Vorausgesetzt die Bucht liegt geschützt und der Wind bringt es während der Nacht nicht deutlich über 4 Windstärken ist es beim Ankern meist folgender maßen:
Nach Anker fallen und der Überprüfung ob er hält, bzw. Installieren des Ankeralarms kehrt Ruhe ein. Wenn das Wetter schön ist, kann über die Badeleiter sofort ein Schwimmchen genommen werden, hier ist das Wasser so klar, dass man den hellen Sand unter sich sehen kann. Je nach Ankerbucht haben wir den Platz für uns alleine, oder die anderen Ankerlieger sind in Rufweite, aber jeder lässt dem Anderen Freiraum. Per Schlauchboot ist es möglich an den Strand oder in einen Gezeitenhafen zu gelangen, wenn uns der Sinn danach steht.
Lustig war bis jetzt, dass in Küstennähe gerne vorbei schwimmende Menschen ein Schwätzchen hielten, fragten wo wir her kämen und ich mein rudimentäres Französisch auspacken konnte.( Mon Dieu, quelle katastrophe…).Ich staunte, dass von der Sonnenhut geschützten Französin bis zum Ballon gekennzeichneten Sportler dem Wetter trotzend geschwommen wird.
Hans hat lange am Satz: „Je ne parle pas francais“ geübt und lässt dann seinen Charme spielen.
Zurück zum Ankern: Die Natur liefert den Hintergrund und das macht sie mit zunehmend rauer Felsenkulisse, Strandflecken, die durch den Tidenhub von 4-6 Metern komplett wieder im Meer verschwinden
und Einblicke in kleine Dörfer,die sich geschützt in die Senken ducken. Dazu die Geräusche, an deren Pegel ich mich schon gewöhnen musste,denn nachts ist das schrille Geschrei der Seevögel nicht wesentlich unterbrochen und das Meeresrauschen, Gluckern, Pütschern hört sich dominanter an. Aber das leise Geplauder anderer Ankerlieger, das Lachen der spielenden Menschen am Strand und manchmal auch ein nächtliches französisches Lied, gerne mehrstimmig intoniert sind Ohrenschmeichler. Und mit frisch gefangenem, gebratenem Fisch, Tomaten-Mozzarella Salat und frischem Baquette das Abendessen mit Blick in die Natur einzunehmen ist verdiente Labsal nach langem Segeltag.
Spruch des Tages: von Rumi
„Das Herz bereitet einen Topf voll Speisen für Dich zu
hab Geduld bis es kocht“.

04 Aug 2020

Holländische Lebensart

Hausboote und kreative Pflanzenideen entlang des Kanals Richtung Rotterdam

Hallo everybody – entlang der Kanalstrecke Ijmoiden – Haarlem – Alphen aan den Rijn gab es viele interessante, individuelle Häuser, Hausboote und Grundstücke zu bestaunen. Haarlem auswärts säumten Kolonien von flachen Pontons mit Hausbooten den Kanal, auf engstem Raum konnte ich außen Loungemöbel auf terrassierten Ebenen sehen, vor oder neben jedem Ponton ein kleines „Einkaufsboot“, flach, damit es durch jede Brücke und in jede Gracht einfahren kann. Kaum vorhandener Stellplatz oder Minigrundstücke waren mit Pflanzkübeln und Dekorationslaternen oder -objekten bedeckt.
In einem Garten war ein zierlicher Baum komplett mit Teetassen auf Untertellern, Früchten gleich behängt, vielleicht der Innenhof eines kleinen Cafés oder einer PorzellanliebhaberIn? Da die Tassenöffnungen evtl. auch den Regen sammeln,stelle ich es mir spannend vor, wenn sie sich füllen und den Inhalt balancieren.
Vier gut restaurierte Mühlen stehen auf dieser Strecke, einer weiteren fehlt Aufbau und Windflügel. Vor uns, an unserem Liegeplatz etwas außerhalb der Stadt Alphen aan den Rijn dreht sich gerade eine frühere Getreidemühle in den vorhandenen 5 Windstärken, sie überragt die niedriger bebaute Uferlinie – Tradition und Moderne nebeneinander.


Zur Haipule: Anscheinend befahren nur sehr wenige Katamarane die Stehende Masten Route – mag daran liegen, dass die maximale Breite der Schiffe mit 7,50 Metern angegeben ist. Die Berufsschifffahrt mit Binnenmotorschiffen ist hier genauso vertreten, wie Yachtis und Motoryachten, zur Zeit hauptsächlich aus den Niederlanden, Dänemark und Deutschland. Es ist bewundernswert, die routiniert die langen Schuten, Wasserhotels und ähnliche Boote durch die automatisch geschalteten Brücken zirkeln, oft eine Flotte kleiner Schiffe im Convoi mit sich führend.
Gestern machte die Backbordseitenlinie unseres Kats bei starker Strömung und enger Durchfahrt unter einer Autobahnbrücke unsanft Bekanntschaft mit den Holzverblendungen der gemauerten Durchfahrt – ein kurzer Schreck und Hans schnelle Reaktion ließen alles glimpflich ausgehen.
Auf was wollte ich ursprungs hinaus? Genau, weil eben so selten Kats in diesem Gewässer auftauchen werden wir angestrahlt, winkend oder mit Daumen hoch begrüßt oder auf der Pier auf unseren Kat angesprochen, was natürlich Laune macht und uns stolz.
Abschliessend noch eine atmosphärische Beschreibung:
Als wir in Haarlem, mitten in der Stadt angelegt hatten und uns eine gut gelaunte Stadtmitarbeiterin Wichtiges erklärt hatte, saßen wir, nach dem Abendessen bei milden Temperaturen draussen. Auf der anderen Grachtseite begann ein Guitarrist, begleitet von 3 weiteren Freunden/ Sängern Rockballaden zu spielen, die Passanten blieben eine Weile stehen, lauschten, ein Fahrradfahrer stieg ab und hörte lange zu. Es entstand eine schwebend-leichte Stimmung, die zu entspannten Sommerabenden passt, nichts fordert, sondern beschenkt. Die Musik bezog alle ein, die Anwohner, wie die Spaziergänger, die Touristen, die Grachtenboote , den langsam dämmernden Abend – entschleunigte und schuf Kontakt – ein magischer Moment, an den ich dankbar denke.
Soviel heute zu meinen gesammelten Eindrücken, Danke für Motivation und Rückmeldungen zum ersten Beitrag, mit liebem Gruss Birgit

Spruch des Tages:
„Irgendwann nimmt die Seele die Farbe Deiner Gedanken an“- Marc Aurel

05 Jul 2020

Von Lummen und anderen Kuriositäten

So, liebe Gemeinde, dann will ich mein Versprechen einlösen, etwas aus meiner persönlich- weiblichen – pragmatischen oder mal philosophischen Sicht zu schreiben. Hans schreibt den Newsletter, ich unabhängig davon kleine Episoden, Gedanken, Eindrücke auf unserer Reise. Ich habe mir gedacht, dass ich meinen Freunden und meiner Familie Ähnliches im Gespräch, per Brief oder per Email berichten würde – wer mich nicht so gut kennt, mag mich auf diese Weise vielleicht besser kennen lernen. Kommentare (bitte per Mail) sind gern gesehen und stehen Euch frei.
Meinen Geburtstag haben wir in Amsterdam verbracht, (herzlichen Dank an dieser Stelle an Alle, die mich mit lieben Grüssen bedachten), zwar herrscht in Bus und Bahn noch Maskenpflicht, aber in Lokalen und Cafés ist kaum mehr Einschränkendes zu bemerken. Viel touristisches Leben an und auf den Grachten und vor manchem besonderen Schuh-Uhren-Schmuckgeschäft wurde gerne in langen Schlangen, den Abstandsregeln genügend gewartet. Vom reichlich konsumierten und angebotenen „Graskonsum“ war in manchen Gassen deutlich mehr zu riechen und Auswirkungen zu sehen, als auf größeren Plätzen, reichlich Polizeipräsenz ist uns auch aufgefallen. Viel Freiheit versus entsprechender Kontrolle ?!

Zum Segeln: Segeln , so wie der Wind uns bläst, gestaltet sich als Ausdauersport, unterbrochen ,mit in unserem Fall westwind-bedingten Hafenpausen. Das hies also um 05.00Uhr ablegen in Helgoland, bis abends spät Borkum erreicht war. Zwei weitere Tage ca. 06.00 Uhr aufstehen um ca. 19.00 Uhr Nähe Vlieland zu ankern oder in Ijmoiden einen Liegeplatz zu finden. Noch fällt mir dieser Rhythmus nicht zu und wenn es dann die ganze Nacht mit 5-6 Windstärken bläst ist die Nachtruhe kein Geschenk. Aber: was nicht ist kann ja noch werden, obwohl bislang alles auf dem Kat funktioniert hat, will ich anscheinend immer noch aufpassen – (Schwäche von mir :-))


Dann will ich noch schildern, wie mich die Lummen auf Helgoland mal wieder beeindruckten. Sie brüten gerade, zupfen für Ihre Liebste das karge Grün um ein Mininest zu kreieren. Allzu oft verwenden sie allerdings Fischereimüll , lange Plastikfäden aus Netzen werden auf steile Felsen geflogen und teils 40 cm aufgetürmt. Es tut weh zu sehen, wie die instabilen, frisch geschlüpften Kükenköpfchen bereits Fäden aus dem Plastiknest zu ziehen versuchen. Möge es Ihnen nicht gelingen…Und mich rührte an,wie dicht die Lummen brüten, auf den eigenen kleinen Raum bedacht und ihn zäh verteidigend, aber auch als Teil der Kolonie in großer Nähe funktionierend. ( Alle anderen Vogelkolonien eingeschlossen, die Lummen sind den Beobachtungsposten am nähesten.)
Wenn wir die intelligente Spezies sind, warum fällt uns das so schwer? (M)eine mögliche Antwort – weil gelingende Gemeinschaft auch immer das anteilige Aufgeben des Egoanspruches erforderlich macht.
Machts gut, bis demnächst…. Eure Birgit
Spruch des Tages:
„Ein Mensch ist, Gott sei Dank sich selbst genug, aber dennoch vermögen zehn in Liebe vereinte Menschen mehr als zehntausend vereinzelte.“ Thomas Carlyle (1795- 1881)

30 Jun 2020